G21-35.

22.07.2017 — 02:49

Der 200-ste Beitrag.
Nun denn: Zum G20 nachträglich.
(korrigiert und überarbeitet – die erste version war doch gar zu krude, sorry)

Um den Titel zu erklären: es waren in Wirklichkeit 35 Länder mit ihren Delegationen zugegen. Darunter die gesamte Staatsspitze von dem Staat, in dem man nicht Kaugummi auf die Straße spucken darf, ohne festgenommen zu werden; von Ländern, in dem Frauen unterdrückt werden, von Nachbar-Nationen, die totalitäre Staatsstrukturen aufzubauen versuchen und solchen, die uns erpressen mit der Kasernierung von Flüchtlingen gegen Geld. Aber das nur nebenbei. Selbst Frauen- und Fremdenfeindliche sind dabei. Nebst aller neuen Potentaten in unserer Nachbarschaft -und zu Gast- gab es ja auch noch die Unentschlossenen, die Zaudernden, die Berechnenden. Nach längerer Zeit und den allfälligen Aufräumarbeiten bleibt … vor allem Ambivalenz.

Da ich Polizisten zu meinem Freundeskreis zählen darf, kann ich nicht umhin, deren Sicht auf „bodenloses Chaos“ (nämlich im öffentlichen Raum) und „grauenhafter, absoluter Priorität“ (nämlich des Schutzes der Gäste) zu unterschlagen. Aber auch wenn die Staatsmacht zurecht und adäquat gehandelt hätte, bleibt die Frage nach dem „Warum?“. Wieso also Menschen so hart vorgehen gegen Menschen, die sehr dumme Dinge tun, um die Herrschaft über die Bilder zu erlangen. Und wieso der eigentliche Grund für die Proteste so elend untergegangen ist. Weil so viele sich nicht wohlfühlen mit der Globalisierung des Kapitals. Und warum der Staat seine Gäste vor den Schutz der eigenen Bevölkerung bzw. ihres Hab&Guts stellt? Können die uns so sehr schaden, dass selbst unsere eigenen Bürger egal sind? Können also Trump, May, Urban, Erdogan und andere die Agenda bestimmen? Will sagen: dies war ein Krieg der Bilder. Und die Bilder-Verbreiter (längst nicht mehr nur die offiziellen Medien) haben ihn verloren. Denn „die Bilder“ haben sich selbst entlarvt. Sie haben -als heißlaufende Zeichenmaschine- gezeigt, dass sie nur interessiert sind an dem, was Aufregung verspricht, was Empörung verursacht und was leider Stammtischsprüche befeuert Ich habe mit eigenen Ohren aus intelligentem Munde gehört, dass „Vermummte in den Knast gehören“. Was bitte, bleibt den harten Oppositionellen in dieser kamera-überwachten Republik übrig, als sich unkenntlich zu machen? Die Vollidioten, die nur etwas zerstören wollen, weil ihr Hooliganism gerade Spielpause hat mal kurz außen vor. Spackos, die selbst durch „unsere“ Osterstrasse marschiert sind und dabei ein ganzes Arsenal an Waffen rechts haben liegen lassen, weil keiner ortskundig war – und die Nachbarn Stein und Bein schwören, sie hätten nur Italienisch, Spanisch und Russisch gehört? Gratuliere zur Bildung. Aber abgesehen davon: die Spuren der Verwüstung in nicht von der Ordnungsmacht besetzten Gebieten sind ein klarer Beweis für inhaltsleere Zerstörungswut. Und nochmal und trotzdem: Warum?

Niemand will es wissen. Insofern beiderseits die falsche Taktik UND Strategie. Und die 12 Millionen Zahlung der Versicherungen, die gerade die Runde machen sind ein mittlerer Lagerhausbrand. Das SEK vermeldet „keine Schwerverletzten“. Der Polizeiführer sagt, es sei „glimpflich abgelaufen“ – was ich ihm glaube – und die Betroffenen vor Ort reden von „ausser Kontrolle geratenen Gästen“. Na Servus. Jetzt kommen sie mir alle mit „in München wäre das nicht passiert“. Dabei hatten die Ellmau und waren deshalb raus. Sagt also die Merkel zum Scholz: „Willste nich‘ Dein Hamburg vor den Olympischen Spielen mal internaschonal n`büschn bekannter machen?“. Sagt der Scholz: „Klar doch.“ Dummerweise wurden die Dopingfestspiele abgesagt. Und zwar von den Hamburgern. Und deswegen hatten wir nun die G20 am Hacken. Bzw. die G35. Wer gewinnt, gewinnt.

Und was ist politisch passiert? Wir wollen ein bisschen was gegen Cholera tun? Und ein bisschen was gegen HIV? Und ein bisschen was gegen die Armut und so? Meine früheste „linke“ Erinnerung ist ein Mensch, der an der pariser Gare de L’Est im abfahrenden Zug stehend (1968?) rief: „Ich hole euch hier raus!“ – und dann sind wir mit einem Käfer(?) um brennende Scheiterhaufen nachhause gefahren. Die Mai-Revolution war ausgebrochen und der Typ vom Bahnhof ist danach Chef der Allianz geworden. Aber „rausgeholt“ hat er uns schon. 15 Jahre später. Geiler Job für Dad in Deutschland. Keine Barrikaden, da wo wir waren – aber damals auf dem Weg zurück, Rue de L’Est/Magenta/Republique. Ich werde es nie vergessen. Und damals waren es die richtigen Ziele.

Zurück zu Hamburg: Niemand hat gezeigt, wie ganze Familien am Straßenrand die Norwegische Abteilung willkommen geheissen haben. Sie war die letzte im Korso und musste warten, bis Macron drin war. Im Mövenpick (CH) – insofern quasi auf neutralem Terrain. Die Begleitpolizei war hocherfreut und machte noch Witze über die Tatsache, dass doch der Letzte eigentlich die HSV-Fahne tragen müsste. Und der SEK sagt mir, dass die Landes-Bereitschaftspolizei immer mit jungen Hunden auffährt, die sogar Waffe tragen dürfen. Ersteinsatz. Und sie sind alle froh, dass es keine Aussetzer gab. Sie selbst hängen die kleinen Verletzungen nicht so an die große Glocke. Aber wofür das alles war, können sie nicht beantworten. Man hat sie auch danach nicht über die Ergebnisse des Gipfels informiert. Was hätte es auch schon zu vermelden gegeben?

Ich spende monatlich an „Médecins sans Fontières“. Tut es mir gleich – es verschwindet einfach aus dem Budget. Für Menschen, die sich nicht zu Schade sind, vor Ort zu helfen. Also nicht wir.

Und die wahre Linke stinkt nicht mal mehr.
Sie riecht nach Irrtum.
Schade, schade.
R.

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Knatter.

07.07.2017 — 01:47

Es knattert.
Hubschrauber beschützen knatternd den Knaster. Die ganze Welt des Knasters ist zu Gast in Hamburg und der Knaster trifft sich um zu knattern wie es weitergeht. Mit dem Euro-Angelsächsischen Knatter. Und bloß nix abgeben, und bloß sich keine Blöße geben, und bloß keine Alternativen zulassen, und bloß kein Jota nachgeben, und bloß weitermachen und sich nicht beeirren lassen, und bloß die Grenzen dichtmachen und bloß den Export schützen und bloß die Binnenkonjunktur beschützen und bloß keinen reinlassen und bloß zusammenstehen und bloß weiter meinen, die Deutungshoheit zu behalten und bloß nicht nachgeben und bloß niemanden reinlassen und bloß keinen Deal verpassen und bloß nicht vergessen, dass man die herrschende Klasse ist und keinesfalls begreifen …
…. dass wir nur ein Teil dieser Welt sind.

Der Teil nämlich, der den „anderen“ diktiert, wo es langgeht.
Der ihnen den Scheiss verkauft, den wir nicht mehr loswerden.
Der sie mit dem Müll unserer „Zivilisation“ zukippt.
Der ihnen Sprachen und Vertragswerke und Patente aufoktruiert, die nicht ihre sind.
Der ihnen die Handlungsfähigkeit, die Würde und die Freiheit raubt.
Der sie drangsaliert, erpresst, abhängig macht und unterwirft.
Der sich selbst desavouiert in dem er solches plant und tut.

Welcome to hell.
You are not welcome.
R.

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Unzumutbar.

16.05.2017 — 11:59

Die Ungeheuerlichkeiten, die täglich aus dem Weissen Haus zu uns dringen möchte man gerne mit einem spöttischen Lächeln samt hilflosem Schulterzucken abtun. Leider aber sind sie global relevant. Offensichtlich ist die Restadministration der U.S.A. (parteienübergreifend) nunmehr damit beschäftigt, einen Sicherheitscordon um eine gefährliche und die Allgemeinheit gefährdende Person zu ziehen, deren Verhalten nicht nur sprunghaft und unberechenbar, sondern in höchstem Maße irrational und paranoid ist. Die Tatsache zum Beispiel, dass ich den Namen der betreffenden Person in diesem Artikel nicht nenne, erspart mir geschätzte 80% des üblichen tracking-hassles. Das ist keine Verschwörungstheorie sondern kann mit einfachen Mitteln überprüft werden. Ebenso wie die Aussagen jenes Herrn auf Twitter und Fox News. Nach der Lektüre dieser und anderer, teils hochoffizieller Quellen, komme ich zu dem Schluß, dass unsere Welt ein Stückchen übersichtlicher geworden ist. Und ich dachte immer, dass sei was gutes …

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Chuck’it!

19.03.2017 — 00:36

Also eigentlich wäre ohne DEN der ganze Scheiss‘ gar nich`angefangen.“ Der Mann hat recht. Und so’n Kram wie Elvis, Tina Turner oder gar die weisse Flachpfeife Buddy Holly wohl auch nicht. Oder die Stones. Oder ’68. Oder … oh my god.

Und der Mann war alt genug, um das zu beurteilen. Aber wieso war ich als kleiner Junge so fasziniert von „Maybellene“?!

Wahrscheinlich weil, wer solche Bewegungen macht, nicht mit seinen Eltern einverstanden ist. Oder zumindest bereit, ihnen zu widersprechen. Oder abzuhauen. Irgendwohin, wo Rock’n Roll ist.

PS: jetzt hab ich’s: er hat uns die Synkope gelehrt. https://www.youtube.com/watch?v=ttm3_cLhxFo Ab da wurde nicht mehr auf die 1 geklatscht. Zumindest von allen, die noch was vom Leben haben wollten.

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Cuba1 – mas que nada.

03.03.2017 — 01:58

Dies ist der erste von 3 Artikeln, die mit dem gebotenen Abstand von 3 Wochen nach unserer Reise nach Cuba (auch in Zukunft mit „C“ geschrieben) veröffentlicht werden. Es war spannend; aber kein Spass.

„Mas que nada“ heisst (wörtlich übersetzt) „mehr als nix“. Das ist auf Cuba kein Grund zu Trübsal, sondern Anlass zu Hoffnung und Freude. Denn wenn es mehr als nix gibt, gibt es … mehr als nix. Sehr wichtig, das, denn der Cubaner muss sich dauernd und mit fast allem „versorgen“, verbringt irrwitzig viel Zeit damit und hasst nichts mehr als die Leere. Wenn also nur das Geringste weiter oder vorwärts geht, ist schon fast alles GUT. Selbst die kleinste Veränderung zum Positiven wird als echter Fortschritt gesehen. Und der Hauch einer Beschleunigung von was-auch-immer als kraftvolle Entwicklung in die richtige Richtung. Beneidenswert einerseits, entnervend aber auch, denn die Gefeierten Neuerungen sind meist falsche Freunde. Also Waren, die es neuerdings (manchmal) gibt, Busse, die wirklich fahren (aber doppelt überbucht sind), Taxen, die nicht zusammenbrechen (aber ein Schweinegeld kosten), Pensionen, die saubere Betten haben (aber leider kein Wasser) oder Einkommen, die steigen (auf Kosten der Individualreisenden) und öffentliche Ämter-Korruption, die abnimmt (weil sie sich privat viel besser organisieren lässt).

Insofern alles chico, compadre, denn NIX, oder gar Innehalten wäre ja so etwas wie Stillstand; oder der Offenbarungseid und kein „desarollo“ oder – horribilis dictu! – Stille. Denn Stille ist der wahre Horror eines jeden Cubaners. Alle müssen ständig ganz viel reden, sich ihrer selbst versichern, ja selbst die Luft muss immer brennen, mit Geschrei und Musik und Ansagen und Radio und Telefon und TV … denn wenn es nichts mehr zu hören gibt, ist die Welt untergegangen. Problematisch in einem Land in dem die audiovisuelle Technik und entsprechende Medien gerade flächendeckend Einzug halten. Man muss es sich vorstellen wie ein laut brummender Heuschreckenschwarm der über die riesige Insel braust, und mit ihm jede ruhige minute, jeden Moment der Einkehr und der Ruhe hinwegfegt. Da werden Nachbarn lieber 5x am Tag über den anderen Nachbarn unterrichtet, als sich um seine Gäste zu kümmern; alles wird doppelt und dreifach besprochen und bestätigt und von einer Seite des Parque Central zur anderen geskyped – ja, geskyped. Und wir doofen Touris haben für 10% eines Monatseinkommens die läppische Stunde kein Netz, weil die Bandbreite belegt ist.

Blödes Deutsches Gemecker, zweifellos. Die Gründe dafür sind in der Realität aber irgendwann nur noch Anlass zu Wutanfällen oder Fatalismus. Oder zu subversivem Verhalten. Z.B. Leute, die auf der Parkbank für 2 Cent skypen einen CUC (1:1 an den Dollar (!) gekoppelte Touri-Währung) hinhalten und fragen, ob man auch mal darf, denn das würde bei uns zuhause so teuer sein. Oder die indigene Internet-Karte gegen US-Kaugummi oder Gummibärchen tauschen. Oder ein Experiment bei Freunden in Matanzas: Ghettoblaster auf der Terrasse nachts um 12 plötzlich ausschalten. Es dauert keine 30 Sekunden, bis ein anderes Gerät in der unmittelbaren Nachbarschaft losplärrt. Es könnte ja kurz Stille herrschen. Und das ist nicht zu tolerieren.

Ich habe keine Ahnung, ob es die fortwährende Propaganda ist oder die inhärente Abhängigkeit von Kontakten, Nachbarn, Familienmitgliedern und offiziellen Stellen, die permanente Beschallung und endloses Schnattern und absichern und abklopfen so überlebensnotwendig machen. Aber eines ist mal sicher: „mas que nada“ ist auf Cuba – zumindest akkustisch – eine schwere Untertreibung.

Hasta el silencio … a veces.

PS: verpassen Sie nicht „Cuba2 – mas o menos“.

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Weniger schön.

04.01.2017 — 03:45

Bevor Sie das lesen, sollten Sie lesen, was gut war. Also den Beitrag zuvor. Und die Musik 2016 war wirklich gut.

Danach fällt Ihnen vielleicht auf, dass Mitmenschen mit keinem Wort erwähnt wurden. Das hat den Grund, dass Mitmenschen nicht dazu beigetragen haben, dieses verkommene Jahr zu einem guten Jahr zu machen. Zumindest waren sie kein entscheidender Faktor dafür. Eher dagegen. Und wir wollen hier nicht über die Mächtigen Potentaten auf dem Vormarsch sprechen, sondern eher über die vielen kleinen Diktatoren, die sich nicht scheuen, ihr pervertiertes Kommunikationsverhalten zum Maß der Dinge zu erheben. Wenn es etwas gibt, dass ich am vergangenen Jahr wirklich abstoßend finde, dann, dass es das Jahr war, in dem die Menschen angefangen haben, mit gesenktem Kopf durch die Gegend zu laufen. Und damit meine ich nicht nur die Facebook-Zombies, denen man auf der Straße aus dem Wege gehen muss, weil sie vertieft in ihre virtuelle Welt dem Menschen, der ihnen entgegenkommt keine Achtung mehr schenken (geschweige denn der Meinung sind, sie ihm zu Schulden), sondern die, die sich erdreisten, ihre abseitigen, meist angeschmiegten Meinungen nur noch im Netz divulgieren zu können, ohne in der realen Welt je dafür einstehen zu können. Traurige Gestalten umringen uns, die weder Willens noch in der Lage sind, ihre Ansichten zu formulieren, wenn jemand vor ihnen steht, der möglicherweise Widerworte von sich geben könnte. Was für erbärmliche Loser. Und dabei stets in Gefahr, ihre scheinheilige Anonymität in Mitläufertum und Eiferei (aus sicherer Entfernung versteht sich) zu diffundieren. Diese fatale Mischung aus Öffentlichkeit und Rückzug ist, vielleicht, die neue Basis für gedankenlose Radikalität. Und wie heißt es so schön bildhaft: eine Religion, die Dich in die Knie zwingt, ist eine schlechte Religion. Gilt auch für den gesenkten Kopf. Leider ist das Prinzip dahinter global anwendbar und (per interaktiver „Monstranz“) möglicherweise sogar zu steuern. Damit also ein Grund dafür, dass es ein schlechtes Jahr war.

Die anderen Gründe kennen Sie, geneigter Leser, selbst. Übergriffige Staatsoberhäupter mit nationalistischen Tendenzen. Brexit. Renzis Vorstoß (der Computer-Besserwisser schlägt allen Ernstes „Renaissance“ vor).  Volxxabstimmg (Jandl), Europa im Niedergang inkl. der Idée der gesamten Chose und jetzt auch noch Schengen. Sowie ein Rechtsruck allenthalben – fast schon egal ob per Post-Intervention inszeniert für die „nationale Sicherheit“ oder nicht.

Und wie der soeben verstorbene John Berger so treffend sagte: “It seems to me that we have to return, to recapitulate what globalisation meant, because it meant that capitalism, the world financial organisations, became speculative and ceased to be first and foremost productive, and politicians lost nearly all their power to take political decisions – I mean politicians in the traditional sense. Nations ceased to be what they were before.”

Wahr und schlimm genug. Eines aber noch: Wenn die Kunst es sich gefallen lässt, nach ökonomischen Maßstäben auch nur beurteilt zu werden, dann hat sie verloren. Und wir alle mit ihr.

Kampf den Verrätern der Menschlichkeit. Das wird mein Motto für 2017 sein. Tataa! Und der Systemgastronomie!! Tatataa! Ääh, Minions? Wannahavabanana?

I wanna have „La Habana“. Hasta la victoria siempre.

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Was schön war.

04.01.2017 — 02:45

Ein weiteres Jahr ist um. Zum Glück.

Was schön war:

Viele Reisen. Viele neue Eindrücke der Welt.

Viel neue Musik, neue Gerichte, neue Weine, neue Landschaften. Das Meer wieder gesehen, oft. Gut Golf gespielt. Gut gespeist.

Neue Bilder im Kopf. Neue Idéen. Neue Erkenntnisse. Ein paar Gedichte auswendig gelernt. Quellen gesichert. Autoren entdeckt.

Alte Idéen haben sich bewährt, trotz Stresstest und fundamentaler Veränderung im allgemeinen Umfeld. Das macht gute Idéen aus.

Und eine schwere Krankheit überlebt zu haben. Ohne Erkenntnis allerdings.

Insofern ein gutes Jahr.

Möge 2017 mindestens so gut werden. Denn was schlecht war folgt im nächsten Kapitel. Man soll in der Küche immer die Abfälle vom Essen trennen. Das Leben möchte pariert werden wie ein Hühnerbrustfilet.

Love and dedication is what we need.

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Flockchen.

30.12.2016 — 00:37

Österr. f. Geld. Penunzen. Kohle. Asche.

Darum dreht sich hier alles. Wer was will, kriegt es auch. Für „Jeld“. Die Unmittelbarkeit, mit der hier, im schönen Tirol, alles, gnadenlos zu Geld gemacht wird, lässt sämtliche „Hilfe- die-Alpen- werden- zum- Spielplatz!“-Appelle wie alttestamentarische Schriften erscheinen.

Kein Entkommen; kein Entrinnen. Jede Bewegung, jedes Bedürfniss hat seinen Preis und jedwede Anwandlung einen umsetzbaren Wert. Obendrein allerdings gibt es perfekt geschultes Personal und immer ein freundliches Wort für die dumme Kuh, die man von Mindestlöhnern melken lässt. Was das alles kostet passt … auf keine Kuhhaut. Und von denen gibt es hier viele.

Es hat heute Nacht Minusgrade. Endlich. Die letzten Teichreserven werden zu Kunstschnee gemacht. Nein (ich wurde heute berichtigt: es heißt „künstlich hergestellter Schnee“) „Kunstschnee“ gäbe es gar nicht. Aber laut ist es, das Granulat, wenn die Schwachmaten mit quergestellten Brettern die topographische Überforderung angehen. Das hört man bis in die Gondeln hinein. Und oben, auf dem „Gipchl“, da klunkern sie mit ihren Botten über den Holzfussboden, das einem das Hören vergeht, und das Geschirr schleddert und die Pizza wird per Lautsprecher ausgerufen und sie schreien sich alle an – denn sie hören ja nix mehr – vor lauter Mützen und Hauben und Helmen und Kopfhörern und brandgesteuerter Coolness.

Nachts dann, einsam auf der Terrasse, bleiben nur noch die Dieselmotoren und das Fauchen der Schneemaschinen. Aber da schlafen sie alle schon. Weil, hey, … morgen geht es ja weiter.

Und die Sterne dazu sind wahrscheinlich nur gutes Marketing.

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When the shit hits the fan.

29.12.2016 — 01:35

Unter zauberhaftem Sternenhimmel dallern schwere Diesel himmelwärts. Malmend schieben sie Kunstschnee durch den ehedem fruchtbaren Grund der ehemals Bauern; jetzt Hoteliers. Es zischt und faucht die Schneemaschinerie. Rares Wasser, versprüht mit Chemie auf verdichtete Böden. Romantik sieht nicht nur anders aus; sie fühlt sich auch anders an. Und was man hört, des Nachts, unter zauberhaftem Sternenhimmel, ist das hämmern der Geräte; das röhren, nicht der Hirsche, nein, der Raupen. Tagsüber dann fliegende Kanzeln an rotierenden Hightech-Latten, die verdrehte Hightech-Latten-Spacken jenseits der Gondeln retten. Servas Alpen.

Ich jedenfalls werde diesen Wahnsinn nicht mehr unterstützen. Nicht mal mehr mit einem Weissbier; bestellt bei serbokroatischen Saisonkräften die nicht anders können, als dem Tiroler Slang den letzten Anflug von Charme auch noch „auszum’treibn“.

Dankbar dennoch für die frische Luft, das umwerfende Licht und den geilen Ausblick, verbleibe ich, unbeeindruckter Küstenmensch, mit den besten Wünschen für ein möglichst mutiges Jahr.

Bilder unter Bilder.

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Mutti reloaded.

20.11.2016 — 23:25

Irgendwie kommt es mir vor, als hätte ich bereits vor Jahren einen Artikel unter diesem Titel geschrieben. Woher kommt das nur? Weil mich dieselbe, gähnende Langeweile überkommt wie ein Kotzanfall in Zeitlupe? Und das, obwohl Botox-Anne heute mal Will? Weil Mutti auf den Refrisch-Knopf drückt statt einem echten Reload platz zu machen? Weil die unsäglichen, mediocren Schranzen winselnd vor ihr auf die Knie gegangen sind und sie beschworen haben, das Vaterland zu retten?

Das Problem ist wohl, dass es leider schon lange nicht mehr um die „Unbeirrtheit“ oder „Standfestigkeit“ der bald „ewigen Kanzlerin“, mithin der würdigen Nachfolgerin von Helmut Kohl (sein Mädel) geht, sondern darum, dass sie mit ihrer erneuten Kandidatur jede Reform, ach was, jedwede Bewegung im bürgerlichen Lager unterminiert.

Das wird ihnen und allen anderen „etablierten“ Parteien ebenso wie uns freiheitsliebende Parteilose teuer zu stehen kommen. Wetten werden angenommen: SPD unter, AFD über 20%. CDU gerade mal soviel, dass so etwas wie ein Regierungsbildungsauftrag zustande kommt. Und dann? Noch ein Vertrag mit der zwischenzeitlich zur Voll-Diktatur verkommenen Türkei als Koalitions-geschachere? Ein Arrangement mit LePen-Frankreich und dem bis dahin auch geografisch rechten Rand Europas (Polen, Tschechien, Bulgarien, Ungarn-Österreich etc.) um Europa zu retten?

Der entscheidende Unterschied heute liegt klar zutage: Stillstand war in der Ära Kohl (noch) kein gravierendes Manko. Für mich schon; für die Mehrheit aber nicht. Schon gar nicht nach der Geschichtsklitterung zu und nach 1989. Heute aber ist es schlicht Kapitulation. Vor den „Gegebenheiten“, denen Mutti sich „zu gegebener Zeit“ annehmen will – ungefähr so flott, wie sie eine Lösung für die seit vorgestern Gekündigten bei VW „erarbeiten“ will. Nämlich dann Pflaster auf die Wunden zu legen, wenn die schon lange ihre Kündigung bekommen haben und die Miete nicht mehr zahlen können. Also vielleicht sogar Verrat. Das – und vieles andere was bis dahin noch kommen wird – werden sie ihr nicht verzeihen.

Und noch etwas systemimmanent gefährliches beeinhaltet des Merkels scheinbare Aufopferung: das Vakuum, dass sie hinter sich herzieht. Mittelbar die Unmöglichkeit für jüngere, motivierte, anders gebildete und sozialisierte Führungs-Aspiranten, sich noch weitere 5 Jahre mit den Apparatchicks (sic!) herumzuschlagen, bevor sie zum Zuge kommen … könnten. Wenn sie sich bis dahin die schrumpfende Liste hochgedient haben. Ehrlich, die gehen doch lieber in die Wirtschaft – und sei es als zukünftiges Digital-Präkariat. Und dass der fette Siggi jetzt bald alle aus dem Weg geräumt hat, die ihm irgendwie gefährlich werden könnten, bei seiner krachenden Niederlage, macht die Sache nicht besser.

Keine Alternative zulassen. Niemanden hochkommen lassen. Die Finger von allem lassen, was grundlegende Veränderung bedeuten würde. Grenz-Populismus lieber als Teil des eigenen Programms präsentieren. Die „Heute Show“ fasst es begrifflich zusammen: wahlternativlos. Also mal laufen lassen und empört zugucken, ob es gutgeht? Kann nicht gutgehen. Denn wie meine Zweitlieblingsbloggerin (e13 bzw. ihre Quelle, die Kunstfigur Jonathan Pie / hier sein memorabler rant am morgen danach) es ausdrücken: „Beeing offended doesn’t work anymore“.

Da war doch was mit einer anderen Wiedergängerin in den USA, oder? Nix gelernt? Komme mir vor wie in The walking Dead. Aber ohne, dass wir Wummen hätten. Die AFD lacht sich ins Fäustchen. Denn Populismus ist nicht mit gespieltem Populismus zu resorbieren, Herr Seibert et al. Auch wenn das schon zwei mal funktioniert hat.

Mutti reloaded? The bin is just a click away. Reboot!

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