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Sarkozien-Strauss für Dominique. Kahn es sein oder Soficktell me more.

Mai 17th, 2011 — 2:04am

Stellt Euch einfach mal einen dieser finsteren 70er-Filme von Lumet, Costa-Gavras, Chabrol, Sautet oder Verneuil vor: Lino Ventura schleicht vor den offiziellen Ermittlern ins Hotelzimmer, findet Dominique sein Handy und lässt es lässig in seiner verbeulten Jacketttasche verschwinden. Alles in einem deprimierenden gelb-braun, das teils den Tapeten, teils der unheilvollen Stimmung geschuldet ist. Denn er weiß: der Kahn ist aus Panik vor der Falle, deren Ausmaß ihm schlagartig klar wurde, Hals über Kopf geflüchtet. Schliesslich hat er als Ermittler – nennen wir ihn Langlois – lange genug selbst für Sarko gearbeitet; hat den Liebhaber seiner Frau ausfindig gemacht und ihm persönlich berichtet. Da war er noch beim Verfassungsschutz. Das hier, das ist jetzt zu viel für ihn. Das wird er nicht zulassen. Weder die Häme seines früheren „Patron“, noch die Attacken von France Soir und schon gar nicht die glitschigen Aufrufe zur Mäßigung aus dem Elysée, von Hollande und der bedauernswerten Aubry. Von der dummen Pute LePen ganz zu schweigen. Aber die bringt sich ja sowieso mit jeder ihrer verfrühten Triumphe in Schwierigkeiten. Keinen Instinkt. Ganz anders Sarko. Den kennt er, und dem wird er es nicht gönnen. Der gönnt ja auch keinem was. Aber dass sie es ausgerechnet in NYC und noch dazu an diesem Tag wagen würden hatte er nicht vorausgesehen. Schlechter Film, schwerer Fehler. Hätte er doch kommen sehen müssen. Erst die guten Umfragewerte in Frankreich als aussichtsreicher Kandidat der Salon-Sozialisten (mithin des französischen Ideals eines Staatschefs), dann die Ankündigung, sich einen Vertreter der Schwellenländer als Nachfolger zu wünschen, dann am nächsten Tag die EU-Sitzung über die griechischen Schulden, von denen er ein Drittel selbst, fast schon persönlich trägt. So wie das Erbe von Wolfowitz als Weltbank-Chef und Irakkriegstreiber, den er entmachtet und damit die USA düpiert hat. Und nicht zuletzt die Air France-Maschine, die zwar die in ihr geborene zu Franzosen macht, aber eben erst, wenn sie in der Luft ist. Dass alle untersuchenden Beamten vermutlich Frauen sein werden, ebenso die Richterin, ist da nur eine Unwägbarkeit am Rande.
Also lässt er das Telefon in seine Tasche gleiten und geht den heranstürmenden FBI-Schergen mit strengem Gesicht entgegen, nickt ihnen kurz und schlecht gelaunt zu und wir sind alle erleichtert.
So wars aber nicht.
Es war ganz anders.
Und jetzt sind nur noch zwei im Rennen.
Die werden sie auch noch kriegen.
Dann sind wir am Ende.
Und jetzt kommst Du.
R.

PS: Services secrets francais:

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