Archiv für Januar 2012


Hardboiled.

Januar 24th, 2012 — 1:00am

Erstaunlich wie sich Zeichen wandeln.

Wim Wenders „Hammett“ ist so wohltuend alt und so gnadenlos künstlich und so zauberhaft Klischeebeladen – mit Klischees, die mit dem Umgang mit Klischees zu tun haben, meine ich. Mittelbar bedient sich der Autor (und Schreiber im Plot) im Namen des Produzenten eines Regisseurs, der willfährig den Film macht, den sich der Hauptdarsteller wünscht – und wir mit ihm.

Auch generiert er dabei quasi automatisch Nebendarsteller, die dies Vexierspiel gerne mit sich geschehen lassen, denn sie sehen gut aus dabei. Und die Musik spielt dazu. Immer spielt diese Musik dazu. Hilft, bindet, besänftigt, schürt. Dann diese 60er-Beleuchtung dessen, was wie die Vorstellung der 30er in den 80ern aussehen soll – wahrhaft eine Matrioschka. Und die Musik spielt dazu.

Am eindrücklichsten: je plakativer es wird, desto mehr fühlt man sich erinnert an das, was da gerade mit uns in der Realität geschieht. Der totalen Kontrolle des Geldes über die Moral nämlich. Mr. Wulf comes to call. Und wenn die Reihung von scheinbar banalen Vorwürfen gegen die Verwalter des Vermögens unerträglich wird, weil es ihre Natur betrifft, ertappt man sich doch bei dem Gedanken, dass das noch untertrieben ist. Es ging damals um ein paar tausend Dollar.

Wenn Bilder Kindern helfen, sich auszudrücken, um Ängste los zu werden und es therapeutisch gelingt, sie damit von opressiven Zeichensystemen zu befreien, dann ist „Hammett“ im Vergleich ein expressiver Sehnsuchtsort der multiplen Graphen; der tausend Hintergründe auf denen das Böse soweit abstrahiert wird, dass man meint, damit souverän umgehen zu können. Wie alle darin und alle davor. Selbst wenn Blut fliesst. Insofern tröstlich. Und die Musik spielt ja dazu.

Und dann, zwischendurch – im off – hält aufblitzend die Realität Einzug: „Eine Bananenschale … einfach liegenlassen … Schlamperei, sowas!“. Hilflos, menschlich, bezaubernd.
Und John Barrys unsterbliche Klarinettenmelodie spielt dazu.

„The fundamental things apply,
… as time goes by …“
(Hermann Hupfeld)

Wunderbare Träume und gute Nacht Ihr …

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