Insubordination.

Ich war bei einem feinen, kleinen, fast intimen Fest im äußeren Speckgürtel der Hamburger Suburbia. Man kannte sich, auch wenn man sich teils Jahre nicht gesehen hat. Eine Blaupause früherer Treffen, jedoch in gänzlich anderer Umgebung. Den Rauchern wurde ein Katzentisch im Garten, abseits der Quellen und des opulenten Lounge-Rooms zugewiesen. Wie es bei Partys oft so ist, war dieser Tisch innert kurzer Zeit der unterhaltsamste, lustigste und entspannteste Ort auf dem Grundstück. Nicht etwa, dass es woanders unentspannt zugegangen wäre; aber die Fluktuation der Zaungäste und der Gesprächsthemen war doch bemerkenswert und ausgesprochen angenehm. Auf meine abendliche  Schilderung und die darauf folgend postulierte Theorie „es sei wohl so etwas wie innere Freiheit, dass diese Leute eine“ (es waren auch Nichtraucher dabei), entgegnete meine Frau ebenso lapidar wie treffsicher, es „seien wohl wieder die Leute, deren Neugier größer ist, als die Angst“.

Dem ist nichts hinzuzusetzen.

Ausser vielleicht, dass ich nach fast 4 Jahrzehnten endlich begriffen habe, warum meine Schwester die Zusammenarbeit mit einer Lehrerin verweigerte, mit der Begründung „sie schimmere Gelb“ – wodurch sie fast von der Schule geflogen wäre. Wegen Insubordination.

Manche schimmern einfach Grün, und mit denen ist gut reden.

Relation.

Die Welt ist ein Irrgarten. Es gibt so Abende, da fühlt man sich – trotz Desorientierung – ganz mit dem Universum verbunden. Allen nun hämisch Grinsenden zum Trotze: wenn man mit bloßem Auge die Krater des Mondes sehen kann, dann verfängt man sich möglicherweise in Triangulationen, das Weltall betreffend. Wenn ich also, hier, klein, und der Mond dort, dann müsste es ja … Wow. Jetzt wieder Applaus für irgend eine abfällige Sophisten-Meinung. Und weiter: steigt nicht die Verantwortung für den biologischen Glücksfall und die unfassbare geologische und klimatische Besonderheit, die unser Planet darstellt, ins Absonderliche, wenn wir uns dessen bewusst werden, dass wir schlicht evolutorisches Glück haben und deshalb innehalten sollten? Im Rahmen der unumkehrbaren ökonomischen Gesetzmäßigkeiten, die unser Leben prägen natürlich. Da wohl kaum an den Grundfesten gerüttelt werden wird, bleibt der Verzicht. Oder um es mit Piketty (übrigens sehr lesbar) zu sagen: „r>g“, also ein Ansteigen der Vermögen im Gegensatz zur Realwirtschaft und den damit meist gekoppelten Löhnen der Angestellten. Und diese „Ultima Ratio“ muss dann für aberauchwirklichalles herhalten.
Was mich angeht kann ich mit Fug und ohne Recht behaupten, ich hätte nicht am Untergang Teil gehabt. Das haben viele Nazis damals auch behauptet. Insofern bleibt es mal wieder den kommenden Generationen vorbehalten, darüber zu urteilen. Die Interkontinentalflüge mal ausgenommen habe ich weder ein Auto, noch Kinder, weder Besitz, noch Vermögen, kaum Energieverbrauch … außer für andere. Ich schmeiße nichts weg und schaffe nichts an.
Und jetzt bist Du dran.

Unterricht.

Wie die Pearlfishers (der einer ist) so schön zum Ton dichten: „I was a cowboy in my neighbourhood, spinnig around in the headrooms…“.
Nun, daraus wurde – zumindest heute – nix.
Das Angebot, mehrfach bestätigt („ja, geil, auf jeden!“), English-Unterricht für, sagen wir mal, „unterprivilegierte“ Mädels zu geben, noch dazu zuhause bei uns, wurde, äh, kurzfristig wegen „Frauengeschichten“ abgesagt. Das hört sich in der heutigen Mediensprache so an: „die Soundso kann nich. Muss zu Arzt. Dann besser nächste Woche, oder?“. Zweite sms: „ich auch“.
Koa g’mahte Wies’n.
Aber das kenne ich ja aus Cambodia.

Wiesn.

OK, P. „P“ wie positiv, ich lach‘ mich tot. Mal was bejahendes soll ich schreiben. Jut.

Mein Oktoberfest begann heute, auf einem Fairway wie ein Berberteppich, bei aufkommendem Wind inmitten bunt werdender Eichen und Ahornbäume. Blätter die glücklich vor sich hintrudeln wie ausgebüchste Kinder. Die – schon oder noch? – tief stehende Sonne auf flirrenden Spinnweben, in denen die Tautropfen – noch oder schon? – funkeln wie in einem Gedicht von Trackl. Freundschaft entspannt und ohne jede Eile. Bewegung im Einklang mit Natur. Traumhaft schön und brutal positiv.

Darüber der eine oder andere Airbus im Anflug. Das Liebe ich so an Hamburg: Natur und Industrie – Hand in Hand wie Gretel und die Hexe. Märchenhaft.

Danach leider Kneipe.

Positiv? Ha! A g’mahte Wies’n.