Stumm.

Lange nichts geschrieben. Weil Trauer hier macht stumm. Es scheint hierzulande einfach nicht opportun (angebracht, angemessen, empfehlenswert, geraten, passend, ratsam, sinnvoll, vernünftig, vorteilhaft, zweckmäßig), seine Trauer zu artikulieren, notfalls deutlich und vernehmbar. In Indien oder Kambodscha zum Beispiel ist Trauer ein lautes Fest. So wie in vielen anderen Ländern auch. Mit viel Geschrei und Musik, mit Tanz und Firlefanz.

Auch deshalb, weil ein Teil der Zeremonie dazu dienen soll, den/die Verstorbene(n) zu „erheben“, also mit einer gewissen Freude ihm/ihr dabei zu helfen, neue Ufer zu erreichen. Wie auch immer die aussehen.

Nun bin ich kein Freund des Gedankens an Wi(e)dergeburt; aber „a schöne Leich'“ mag schon sein. Und da werden ja auch und oft laute Worte gewechselt. Insofern ist meine Schreibblockade soeben durch den Gedanken aufgehoben worden, dass es schlicht keinen Grund gibt, anzunehmen, dass was auch immer ich schreibe jemand anderen in seiner Trauer stören könnte. Das nämlich war der Grund für meine Unfähigkeit, an dieser Stelle etwas zum Tode meiner Mutter zu schreiben. Und sei es nur dieser kleine Gedanke. Und weiter: Dem Tod ein Schnäppchen schlagen können nur die Lebendigen.

 

Category: Alltagskultur, Kommunikation, Kult Kommentieren »


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