Fussball ist blöd.

Keine Lust mehr. Denn wie auch immer die Gefühlslage zum Thema, die Sozialisation, die Interaktion und die Freude an der Zerstreuung durch die kollektive Begeisterung für diesen Sport ist, bleibt fest zu halten, dass es nur noch aus 30% desselben besteht. Der Rest ist Medien- und Kommentatorenzeit, Personenkult und Marketing; Merchandising und Sekundärvermarktung à la PS4 inklusive. Das letzte Interesse gilt den Wetten. Für Geld oder gegen den Intimfeind in der Stammkneipe. Auch wenn die Saison entschieden ist, das Transferfenster geschlossen oder der Lieblingsclub am Abkacken. Bleibt die Nationalmannschaft. Und die ist dann wie die CSU: hat schon verloren, will es aber nicht wahrhaben. Fussball macht einfach keinen Spass mehr.

Was, jedoch, wäre die Alternative? Denn Stumpfsinn und Selbstbetrug kann man auch in anderen, weltweit erfolgreichen Sportarten haben: Hotdog-fressen und Langeweile beim Baseball, Kriegsgeheul und Betrug beim American Football, Millionen-Poker und Beliebigkeit in der NBA, Magersucht und „windfall profits“ beim Skispringen, Doping und Nationalismus bei Olympia, krasses Doping beim Radfahren, Militarismus beim Schießen und, äh, Doping und Militarismus beim Biathlon. Skifahren? Zu viel Umweltzerstörung. Kitesurfen? Zu viel Material. Windsurfen? Noch mehr Material. Tischtennis? Zu schnell. Badminton? Noch schneller. Triathlon? Alles zuvor gesagte auf einmal. Curling? Zu langsam. Billards? Noch langsamer. Schach? Siehe R. Gernhardt: „Ich mach mir nichts aus Marschmusik, ich mach mir nichts aus Schach / Die Marschmusik macht mir zuviel, das Schach zu wenig Krach.“

Ich glaub‘ ich liebe jetzt Rugby. Fiese Kerle hauen sich auf die Omme und bringen den Ball kollektiv und gnadenlos in’s Ziel. Also nichts mit Jogififfi Löw, Olliprolli, Reusgeheul und Hummelsgebrummels. Und auch nichts mit Dummbatz-ZDF und Besserwisser-Sky. „Da Zone“, quasi.

Und selber spielen tue ich Golf. Das ist langsam, braucht viel Material und Platz, renaturiert ganze Landstriche, fordert Sorgfalt, Demut und Präzision und Doping nutzt nix, denn der Feind sitzt zwischen den Ohren. Ausserdem wird es irre gut bezahlt. Wenn man zu den 0,001% gehört. Wie beim Fussball auch. Nur schöner, weil kaum einer zuguckt.

Category: Alltagskultur, Kommunikation, Kult Kommentieren »


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