Bis einer kotzt.

Wir Deutschen werden ja gerne bezichtigt, alles sehr gründlich zu betreiben.

Denken, entwerfen, konstruieren, verwalten, leider auch vernichten. Und das scheinbar zu Recht – auch wenn wir uns dagegen wehren und „ins Feld führen“, dass es doch nur Sorgfalt, Planung und Voraussicht ist, die den Eindruck vermitteln, wir würden Dinge, die wir unternehmen und Massnahmen, die wir ergreifen, bis zum Exzess betreiben. Denn es fällt derzeit wieder auf, mit welcher Gründlichkeit wir uns des Themas Ein- und Zu-, bald nur noch -Wanderung annehmen. In jedem Gespräch, auf allen Kanälen, Sendern und und in zahllosen Sonderformaten wird versucht, aus einem Ausnahme- einen Normalzustand herzustellen, der – wie ich fürchte – keineswegs der Einstellung der damit angesprochenen „Bevölkerung“ entspricht. Denn die meint ja immer noch, das sie es ist.

Damit einher gehen der Benennungswahn, die Zählungen, die gefälschten Statistiken; über Massenmedien an eben jene verbreitet, die nur einen Hauch von Rechtfertigung benötigen, um niedersten Ressentiments freien Lauf zu lassen. Die Antwort kann nur sein, dass man uns wohl penetrant vor Augen führen muss, dass wir längst ein „Ausländerland“ sind, dass die letzte Vielfalt in unseren Großstädten von eben jenen betrieben wird, und das manch einer über den Verlust des „Gemüsetürken“ oder des „Stammitalieners“ trauriger währe als über das dahinscheiden der eigenen Oma. Ja, viele vom Rest sind Rentner.

Insofern sind die Flut an Berichterstattung, die Archivausgrabungen, die Freundlichkeitsberieselung und die nervtötenden „Specials“ zwar nützlich – aber eben in beide Richtungen. Die kulturelle Selbstverständlichkeit von Gastfreundschaft bleibt auf der Strecke, wenn was Normalität sein sollte zum „Brennpunkt“ in den Medien wird. Der Focus muss zum gelebten Alltag zurück und der Versuchung widerstanden werden, aus immer neuen Zahlen Realitäten zu schaffen, die der Einzelne im Alltag so gar nicht erlebt. Aber der allgemeinen Meinung entkommt niemand, der auf sie angewiesen ist, um innerlich eine Entscheidung zu treffen. Ob er/sie dafür sind, dass die Armen kommen oder nicht, wird erstmal wenig daran ändern. Aber wenn es dann darum geht, zu erziehen, zu integrieren oder zu assimilieren? Bzw. den steinigen Weg dazwischen. Da wird sich dann zeigen, was im Vorfeld (und in dem sind wir immer noch) von Wortführern angerichtet worden ist.

Folgerichtig sollten sich die Medien mit Hilfe ihrer avancierten Recherche- und Analyse-Tools endlich der Verantwortung stellen, die sie haben. Denn sie werden diese Schlacht um die Identität der Nation aufnehmen müssen und prägend sein für die Tonalität in diesem Land über Jahre hinaus. Der Grundton des Nachfolgers der Willkommenskultur wird von den Medien bestimmt werden. Wie auch immer dieses Konstrukt dann heißen wird. „Kontrollierte Integrationskultur“ vielleicht, oder „Begrenzte Aufnahmebereitschaft“. Gründlich, sachgerecht, pragmatisch.

Parallel dann das: VattenFall führt einen Prozess gegen die Bundesrepublik. Wegen des Ausstiegs aus der Atomwirtschaft. Klar, verdienen ja auch jetzt weniger. Hätten Rücklagen bilden müssen in einem Hochrisikogeschäft. Das muss eingeklagt werden. Vor einem nicht öffentlichen Schiedsgericht in Washington. Es geht um € 4.675.903.975,32 – entspricht also für jeden der divulgierten 1.500.000 Bild-Flüchtlinge über € 3.100,- pro Person aus Steuergeldern. VOR der Unterzeichnung irgendwelcher diesbezüglichen Verträge. Falls unzutreffend wüssten wir gerne etwas davon.

Und ob NSA, VW, TTIP oder die anderen 100 Kriege auf diesem Planeten (darunter die „War on Drugs“, die „War on Terrorism“ und andere gutgemeinte) sich darob dann irgendwann „versendet“ haben, werden wir erst sehr viel später erfahren, denn wir werden weniger darüber erfahren. Und seltener. Und ungenauer. Und das ist genau das, was inzwischen alle wollen, die Dreck am Stecken haben: nur nicht zu viel Medienpräsenz. Es sei denn, die Facebooker und Konsorten starten mal durch. Das ist auf jeden Fall schwerer zu kontrollieren als ein öffentlich-rechtlicher Sender.

Und leider, weil wir jetzt plötzlich anders hinschauen: überall Ausländer, überall Diesel.

Überall Pablo Mora. Überall Mankell.

Category: Alltagskultur, Kommunikation, Reisen, Umwelt Kommentieren »


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