Shabu Shabu.

Warum man nach Thailand – noch dazu fast in die Provinz – reisen muss um (sehr) gut japanisch zu essen bleibt ein Rätsel. Aber es war ein Erlebnis.

http://de.wikipedia.org/wiki/Shabu_shabu

Neben 5 Sorten Fisch hatte ich 3 Sorten Fleisch und 7 Sorten Gemüse.
Für nicht ganz 7 €uro. Da fragt sich der Koch nach kurzem Zögern doch:
can you just cook it ?!

Heute Abend in Phnom Penh gab es im von uns (einst) geschätzten „Riverside Café“ eine ganz andere Geschichte:

Gruselgraus aus Bayernland über den Indischen Ozean geschwappt.

 

 

 

Aber dazu mehr, wenn ich wieder nüchtern bin.

Love,
R.

 

 

 

 

Wieder da. Kurz.

Da muss ich also erst wieder in „Thaienland“ sein (s.u.) damit hier mal was passiert. Traurig eigentlich. Hab‘ doch sonst so viel zu sagen. Egal, geht ja wieder los.

Zwischenstation Suvarnabhami. Das verhält sich zum Bangkoker Flughafen in etwa so wie Erding zu FJS. Nur dass Erding dann so groß wäre wie Ingolstadt – und in etwa gleich weit weg. Hier ein Katzensprung.

Erste Grüße also vom Land, wo es grau ist und sehr warm regnet. Kurz vor sechs haben sie die rosa Lampen kurz angemacht, jetzt herrscht Dunkelheit, durchzogen vom knisternden Kreischen der 4 Startbahnen. Die höre ich deshalb, weil ich im ebenfalls kreischend himmelblauen „Alain Delon“-Schlafanzug auf dem Balkon mein erstes Chang zische und an der Zille mit Karies-Bild sauge, damit die Luft sie nicht löscht.

Zu diesem Ausbund an gemütlicher Geschmackslosigkeit bin ich gekommen, weil mein seniler Vordermann im Flieger (Boeing 777, sehr zu empfehlen) derart ruckartig nach hinten klappte, dass mein gesamtes Wasser (ja, WASSER!) mir in den Schritt fiel und Purser Chio Trapatrong (mit dem Namen müsste er eigentlich Thailändischer Nationaltrainer werden können) gerade vom Motivationsseminar „Royal Orchid Service“ zurückkam, sofort in die First Class flitzte und mich ohne federlesens damit ausgestattet hat. Zum behalten als Souvenir, versteht sich. Dann musste ich noch ein über alle Maßen lobendes Formular ausfüllen und jetzt frage ich mich, ob man es in Tropang Trea akzeptieren würde, wenn ich damit zum Abendessen erscheine.

Morgen um 5 geht’s weiter.
Gehabt Euch wohl.
Love,
R.

PS: Höre gerade, der Kambodschanische König sei tot. Und das am Tag der Ahnen. Nicht gut.

Thaienland.

Nach nunmehr 4 Wochen in diesem Land sind wir zu dem Schluss gekommen, dass die Leute hier eigentlich eine ganz andere Sprache sprechen. Wahrscheinlich Thai oder siamesisch. Das ist ziemlich sicher auch der Grund, warum wir sie gar nicht verstehen und sie auch nur selten begreifen, was wir wollen. Aber das macht nix, denn sie sind fast alle sehr nett, auch wenn sie manchmal die Augen so fest zusammenkneifen, dass sie nur noch durch Schlitze gucken koennen. Vielleicht wollen sie auch mal bedrohlich wirken. Z.B. wenn man einen halben Liter Benzin haben will oder nach dem Weg fragt, wenn es nur eine Strasse gibt. Meistens aber laecheln sie, z.B. wenn sie fotografiert werden oder die Sonne scheint. Also fast wie wir.

Sie essen viel Reis. Mal so. mal so rum, und auch mal ganz anders. Aber immer lecker und nie Leberwurstbrot. Trinken tun sie wenig, damit fuer uns mehr uebrigbleibt. Es gibt Drachenbier und Tigerbier und Leopardenbier und Elephantenbier.

Das Meer halten sie fuer uns sauber, den Strand eher weniger. Vielleicht macht das aber das Meer auch alles ganz alleine. Das moegen sie ueberhaupt gerne hier, wenn sich Sachen von alleine machen, denn arbeiten tun sie nicht so gerne. Ausser in der Bank. Da sind sie ganz wuselig und machen von allem vier Durchschlaege. Vielleicht als Ausgleich fuer den, der immer rumsitzt, streng guckt und gar nix macht. Und beim tanken wollen sie auch immer die leereste Flasche selbst einfuellen, denn fast jeder ist ein Tankwart – also arbeiten ja doch fast alle. In der Touristenbranche.

Simone meint, hier gaebe es „ganz, ganz viele Wellen“. Das habe ich immer wieder ueberprueft und muss sagen, dass sie recht hat. Es gibt auch viele Insekten, was aber nicht schlimm ist, denn die fressen sich alle gegenseitig. Naja, nicht alle. Es gibt auch die, die uns fressen, aber die sind ganz klein und machen wenig krach.

Was noch? Ach ja: wir sind fast ueberall allein. Manchmal kommen ein paar frische Franzosen um die Ecke, aber die stoeren kaum, denn die machen so extremsport oder kuemmern sich um ihre Kinder und merken gar nicht, dass die hier eine ganz andere Sprache sprechen, denn die sprechen immer nur franzoesisch.

Simone liest jeden Tag ein Buch, pflegt sich wie ein Leguanweibchen und frisst abends die Kueche des Resort leer. Das bekommt ihr gut und sie sieht schon fast aus wie eine Thai-Prinzessin. Ich mache den Rest und fange jetzt auch mal mit meinem Buch an, glaube ich. Vielleicht schaue ich auch mal nach dem Wetter. Ich glaube, es wird schoen heute.

Freund.

Offensichtlich gehören mittelschwere Verletzungen zu einem echten Männerwochenende. Fussball, gutes Futter und Frauengeschichten auch. Und das kam so: „Halt meine Hand, alles gut, ich kenn‘ mich hier oben aus“. Nach Feuerwerk-gucken auf dem Dach und im stockdusteren. Und volle Lotte an den nächsten Pfeiler gelaufen, Nase voraus.
Egal, denn vorher hat die Bezaubernde uns die Haare und die Illusionen eines konfliktfreien Lebens beschnitten. Dann der Elbausflug mit Zurschaustellung von Reichtum … und heute der Offenbarungseid des FC St. Pauli am Millerntor. Der im Übrigen sicher nicht in die erste Liga will und kann.
Dazwischen angrillen auf der Loggia, Scampi-Nudeln und Laap.
Und ein Freund, an den man sich einfach anlehnen und dabei einschlafen kann.
Insofern geht’s blendend und mir scheint die Sonne aus dem Arsch.
Wenn die prä-senile Bettflucht nicht wäre.
Aber die macht Blog.

Hardboiled.

Erstaunlich wie sich Zeichen wandeln.

Wim Wenders „Hammett“ ist so wohltuend alt und so gnadenlos künstlich und so zauberhaft Klischeebeladen – mit Klischees, die mit dem Umgang mit Klischees zu tun haben, meine ich. Mittelbar bedient sich der Autor (und Schreiber im Plot) im Namen des Produzenten eines Regisseurs, der willfährig den Film macht, den sich der Hauptdarsteller wünscht – und wir mit ihm.

Auch generiert er dabei quasi automatisch Nebendarsteller, die dies Vexierspiel gerne mit sich geschehen lassen, denn sie sehen gut aus dabei. Und die Musik spielt dazu. Immer spielt diese Musik dazu. Hilft, bindet, besänftigt, schürt. Dann diese 60er-Beleuchtung dessen, was wie die Vorstellung der 30er in den 80ern aussehen soll – wahrhaft eine Matrioschka. Und die Musik spielt dazu.

Am eindrücklichsten: je plakativer es wird, desto mehr fühlt man sich erinnert an das, was da gerade mit uns in der Realität geschieht. Der totalen Kontrolle des Geldes über die Moral nämlich. Mr. Wulf comes to call. Und wenn die Reihung von scheinbar banalen Vorwürfen gegen die Verwalter des Vermögens unerträglich wird, weil es ihre Natur betrifft, ertappt man sich doch bei dem Gedanken, dass das noch untertrieben ist. Es ging damals um ein paar tausend Dollar.

Wenn Bilder Kindern helfen, sich auszudrücken, um Ängste los zu werden und es therapeutisch gelingt, sie damit von opressiven Zeichensystemen zu befreien, dann ist „Hammett“ im Vergleich ein expressiver Sehnsuchtsort der multiplen Graphen; der tausend Hintergründe auf denen das Böse soweit abstrahiert wird, dass man meint, damit souverän umgehen zu können. Wie alle darin und alle davor. Selbst wenn Blut fliesst. Insofern tröstlich. Und die Musik spielt ja dazu.

Und dann, zwischendurch – im off – hält aufblitzend die Realität Einzug: „Eine Bananenschale … einfach liegenlassen … Schlamperei, sowas!“. Hilflos, menschlich, bezaubernd.
Und John Barrys unsterbliche Klarinettenmelodie spielt dazu.

„The fundamental things apply,
… as time goes by …“
(Hermann Hupfeld)

Wunderbare Träume und gute Nacht Ihr …

Certainement.

„De la Guerre à L’Opinel et partager des saucissons“
„On est tous des frères selont les declarations“
„Faut jamais les oublier, les 3 mots qui se termines en „té“
(Lavoine)

Wahrscheinlich kann sich niemand vorstellen, wie sehr ich mich noch als Franzose fühle.
Es ist wirklich erstaunlich. Wenn mir jemand sagt: „C’est étrange, le visage des filles – quelque-chose d’épouvantable.“ Du, dann nehme ich das einfach ernster, als wenn mir jemand sagt „Ja wie schaut denn die aus? Unmöglich, sowas.“. Surprise!

„Du Chilli dans les gamelles et du fônd dans les bidons“.
Entscheidend ist, dass es völlig egal ist, worum es geht.
Auf französisch klingt es einfach besser.
Und fühlt sich damit für mich besser an.

„De bas-étage en rue,
de partâge en vertue
je ne cesserais jamais
d’adôrer le Francais.“
(Linhof)

TatGott.

Vier Erkenntnisse aus dem heutigen Tatort (und dem erstaunlichen Drehort „Jüdische Gemeinde“):
1) Die Deutsche Bank würde sich freuen, derart repräsentative Räume vorweisen zu können.
2) Das KZ Dachau sollte endlich mal besucht werden.
3) Wer an was glaubt, statt es zu glauben, ist verloren.
4) Mein derzeitiger Lieblings-Judenwitz: Rabbi wird auf einsamer Insel abgesetzt. Nach Jahren wird er besucht. Alles gut, bestens organisiert, zwei Synagogen. Warum zwei?, fragt der Besucher. Der Rabbe zeigt mit verächtlichem Tonfall auf eine davon: „In die gehe ich nicht!“.
Love.

Fett.

Ich bin fett.
Warum kann man nicht das Leben führen, dass man(n) möchte, ohne fett zu werden?
Sind Hunger und Lust inzwischen Opfer der Überversorgung geworden?
Genuss eine Sünde?
Oder die neue katholische Kirche?
Immer ein schlechtes Gewissen.
Das treibt uns an.

La Marée Basse.

Si tu aimes lés éclaircies, mon enfant, mon enfant,
Prendre un bain de minuit dans le grand ocean,
Si tu aimes la mauvaise vie, ton reflêt dans les temps,
Si tu veux des amis, prèt de toi, tout le temps ….

Aber nicht um jeden Preis.
Also Spielverderber.
Ich spiele kein Facebook,
ich spiele nicht Daten,
ich spiele nicht Spuren,
ich spiele nicht Familie,
ich spiele nicht Auto,
ich spiele nicht Besitz,
ich spiele nicht mit Geld,
ich spiele nicht Steuer,
ich spiele nicht mal Beruf.

Si tu aimes la marée basse, mon enfant, mon enfant,
Le soleil sur la terrasse, et la lûne sous le vent,
Si l’on perds souvent ta trâce, dés qu’arrive le printemps,
Si la vie te dépasse, … passe mon enfant.

In Hamburg bläst es endlich.
Bin schon fast wahnsinnig geworden von dieser Windstille.
Neben dem Niedergang der Zivilisation ist Wetter das Spannendste, was passiert.
Zurück zur Ebbe:

Ce n’ais pas ta faute – c’est ton héritage,
Et ca serat pire encore, quand tu auras … mon âge.
Ca n’est pas ta faute, c’est ta chair, ton sang,
Il vas falloir faire avec … ou … plutôt sans.

Bonne nuit.
© Benjamin Biolay et al