Frikadelle.

Unter diesem Rezept ist der eigentlich interessante, wenngleich wirre Artikel. Aber wenn aus den armen Schichten schon Hackfleisch gemacht wird, hier abschließend und bitte ohne Widerrede: Die beste Frikadelle der Welt.

1 Zwiebel
1 Zehe Knoblauch
4 Stengel Petersilie (mit Stengel)
fein hacken und alles sanft glasig anbraten (wenn ablöschen, dann dafür sorgen, dass keine Restflüssigkeit bleibt), beiseite stellen.

100 G. trockenes Weissbrot (oide Semme oder doppelt getoastetes)
mit Milch einweichen, ggf. auspressen, fein hacken.

400 Gr. gemischtes Hackfleisch,
1 Ei
das Brotgemisch
die Zwiebelmischung
mit
gut Salz,
ordentlich Pfeffer,
nach Gusto Cayenne-Pfeffer (da geht einiges),
3 Prisen Kreuzkümmel (Cumin/unverzichtbar, schmeckt dann aber nicht danach),
1 Esslöffel scharfem Senf
vielleicht auch noch süßem Senf,
möglicherweise gemörserten Fenchelsamen,
vermischen zu einem glatten Teig.
1 Std. stehen lassen (oder auch nicht).

Mit nassen Händen Bällchen oder Fladen formen.
In reichlich Öl (Raps Distel, Olive – auch gemischt)
ausbacken, d.h. mehr als braten, weniger als frittieren.
Öfter vorsichtig wenden (achtung, sehr fluffig) bis beidseitig zu dunkel.

Auf Küchempapier trockenlegen und mit parallel gemachten Pell- oder Bratkartoffeln und Kräuterquark servieren. Dijon-Senf dazu. + gewässerte Radieschen + Cotes du Rhône.

Legt Euch gehackt!

R.

Reisen.

Moin.
So, jetzt aber mal genug mit dieser Trübsalblaserei.
Traut sich ja keiner mehr, draufzuschreiben, auf diesen Haufen Desillusion.
Habe beschlossen, dass mir die blöden Bayern wurscht sind und das ich dort rauchen werde, bis ich festgenommen bin.
Aber die Aktualität ist ja zugegebenermaßen eher morose.

Wäret ihr hingegangen.
Wäret ihr nicht hingegangen.
Waeret ihr gefangen.
Haettet ihr gehangen.
Also wohin?

Nun, wir werden nach Laos fliegen. Ja fliegen, und unsere bisher vorbildliche Ökobilanz schwer schädigen. Aber ich habe heute in einer kleinen Sackgasse ohne Grundstückszugang das große, teure, einbetonierte, witterungsbeständige Stahl-Schild „Kein Winterdienst!“ gesehen. Insofern mach ich mich locker.

Mein Bruder will seinen Kindern Afrika nahebringen, bzw. das Fremde an sich, nehme ich an. Als typischer Südafrika-Einsteiger mit höchst komfortablen Erinnerungen an 0 Zeitverschiebung, geleckte Straßen, vom Ufer sichtbare Wale, gutes Essen und bestens organisierte Bed&Breakfasts mit Mobiltelefonanschluss und Internet-Site, empfahl ich zunächst ebendies. Das war ihm zu recht zu einfach. Also kamen Sambia (?), Tansania, Mozambique, Madagaskar und Sansibar ins Spiel. Damit hat er impulsartig den Abenteuerer in mir geweckt. Seitdem vertiefe ich mich in die Aufteilung und Topographie der Ostküste Afrikas. Da überkommen einen Wallungen von Peinlichkeit, weil man ja keine Ahnung hatte; Beschämung ob der Unkenntnis über Lage, Kultur, Situation und Zustand, Staunen über die Dimensionen, die unerschlossenen Gebiete und dazu völlige Analphabetie in Bezug auf die lokalen Sprachen. Wow. Ziemlich schwach.

Worum es mir beim Reisen wohl immer wieder geht, ist, die Fremde dahingehend auszuloten, dass man selbst etwas mitnimmt außer Erinnerungen. Etwas, was Farben verändert, Perspektiven verschiebt und die Wahrnehmung auf Jahre hinaus infiltriert. Wenn wir also nach Laos fliegen, über Bangkok nach Vientiane, Vang Vieng, Luang Prabang, Muang Ngoi Neua, Pakse, Champasak (What Phou) und Si Phan Don (soll Euch neugierig machen), dann wünschen wir uns nicht nur Veränderung im Äußeren.

Falls irgend möglich werden wir mit dem Bus reisen und – ausser den Flußpassagen – das Moped wählen und zu Fuß gehen. Viel und lange. Wo und wie hängt dort von der Witterung und der Marktlage ab. Und wenn da grade keiner Bock hat, dann geht da nix. Insofern soll die „Planung“ nur ein Minimum an Kontrolle simulieren, die abgesehen von Vorbereitungen zur Kultur, grundlegend sinnlos ist.

Endlich wieder ein Abenteuer. Nicht wissen, was einen erwartet. Sich hintrauen, 10 Jahre vor den Anderen. Wie in Vietnam und Cambodscha geschehen („Duch“ endlich hinter Gittern. Wir haben ihn sozusagen noch in Freiheit erlebt und sein Foltercamp besucht). Unlöschliche, nicht reproduzierbare Eindrücke aus der Zeit, bevor die Globalisierung zuschlägt. Bevor die Faust des aufkommenden Wohlstands trifft. Mitten in die Leber der Aufstrebenden. Wovon sie sich, aber nicht die Gesellschafter, ergo das Volk, erholen.

Wir freuen uns schon so auf die Erkundung eines Landes, dass keine Küste besitzt aber den größten, besten Teil des Mekong; das mit Vientiane die wahrscheinlich beste und günstigste Feinschmeckerdestination abseits ausgetrampelter Pfade bietet, das Flächenbombardements der allerhöchsten Militärordnung (also jenseits der Genfer Convention) über sich ergehen lassen musste (mehr als der zweite Weltkrieg) und deshalb dünn besiedelt und von der globalisierten Welt noch abgeschnitten ist, aber die Größte Dichte an Naturreservaten und -Wundern in ganz Südostasien hat. Und die friedlichste Gesellschaft überhaupt.

Vielleicht verhält es sich da so ähnlich wie mit der Mauer. Wo der Mensch kaum mehr Einfluss genommen hat, entwickeln sich ganz eigene, lebensfähige Ökosysteme. Was mal wieder beweisen würde, dass Homo Sapiens wirklich so etwas ist, wie eine Krankheit. Die sich nach unserem bisherigen Wissen allerdings bisher nur ein Planet eingefangen hat.

Sabaidee!
R.

http://www.iexplore.co.uk/city_guides/Laos/Vientiane/Food

Flugwahn.

Die hauen hier die Ferien-Flieger im 1 1/2-Minuten-Rythmus raus.
Und das im kleinen Hamburg.
Als gäb’s kein morgen.
Sagt ein Planet zum anderen: „Du siehst aber Scheisse aus“
„Ja, ich hab‘ Homo Sapiens“
„Macht nix, geht vorbei.“

Huevos.

Bin ja mal gespannt, ob wir morgen den Ball flachhalten. Und wieviele Eier wir haben. In der Hose meine ich.

Und ob Paul einer sinvollen Verwendung zugeführt werden kann:

Pulpo scharf

Zutaten:

1 Pulpo
3 Knoblauchzehen gepresst oder gehackt
1 Zwiebel gehackt
1-2 Lorbeerblätter
Olivenöl
Oregano
Petersilie
Paprikapulver (Rosen und scharf)
Chilischoten getrocknet

Zubereitung:

Krake 30 – 45 Minuten in Salzwasser gar kochen, abgießen (von dem Wasser eine Tasse aufheben) und in mundgerechte Stücke zerteilen.
In einem großen Topf in ordentlich Öl den zerkleinerten Knoblauch und die gehackten Zwiebeln leicht anbraten. 1 – 2 zerkleinerte Lorbeerblätter dazu geben. Die gekochte Krake hinzufügen und mit Oregano und Petersilie würzen.
Ca. 1/2 Tasse vom Kochwasser der Krake hinzufügen, mit reichlich Paprika würzen und die gehackten Chilischoten dazugeben. Kurz einkochen lassen und eventuell mit etwas Mehl (oder Maisstärke) abbinden. Wer es nicht so scharf mag läst einfach die Chilischoten weg.
Kann entweder als Hauptgericht oder auch als Tapas gereicht werden.
Ich danke: Carola Dieguez Mena

Klammheimlich.

Taktisch klug kann zweierlei sein. Plan und Methode verbinden, auf die vorhandenen Ressourcen zurückgreifen und sie entsprechend effizient nutzen wäre eine Definition. Man kann aber auch mit niedersten Instinkten spinning betreiben, Niederlagen vergessen machen, Leute irreführen (das Volk z.B.) und sich dabei gleichzeitig aus dem Staub machen und omnipräsent sein. Am besten in einem gedämpft Himbeerroten Jakett. Der letzte Respekt, den ich für die Angie hatte ist nunmehr verpufft. Sie ist wirklich „sein Mädchen“. Machtorientiert statt der Sache zugewandt, taktisch statt strategisch, berechnend statt rechnend. Und insofern eben nicht verwandt mit der Mannschaft, die uns soviel Freude bereitet aber in deren Sonne sie sich, äh, sonnt.

Das in Südafrika die „Ola“ gegen den Uhrzeigersinn läuft (wie sonst nirgends auf der Welt) und „Eswejnstejger“ (El Clarin) früher Skirennkäufer war (was zu besichtigen uns gefreut hat, nur ohne Schnee) und Argentinische Köche sich übertreffen in Empfehlungen, wie Paul, der Oktopus denn nun zuzubereiten sei, und das in Tuttlingen (wo meine Frau von wech kommt) ein 18-Tonner mit Bierbänken auf der Ladefläche samt feiernden Gästen im Korso angehalten und summarisch bestraft worden ist, weil die Anwesenden nicht angeschnallt waren, und das wir seit 1978 keine Halbzeitführung mehr abgegeben haben, und das nur noch 2 von 5 Weltmeistern (aller Zeiten) im Rennen sind, und das Müller auf die Frage, wie es denn bei ihm zuhause wohl zugehen würde geantwortet hat „bedröppelte Mienen, schlechtes Wetter und kein Grillfleisch“ hat die Dame wahrscheinlich nicht wahrgenommen.
Aber das das ZDF 89,6% Marktanteil hatte, das wusste sie bestimmt oder hat sich später darüber gefreut. In gedämpft Himbeer – obwohl die Totalversager Schäuble und Kauder ihr geraten haben, nicht zu fliegen. Anfänger. Der eine behindert, der andere im Rollstuhl.
Ach so, ja: Bayern hat das härteste Nichtrauchergesetz Europas durchgedrückt, weil die Raucher alle im Biergarten saßen (rauchend) und den institutionell Versicherten wird jetzt 15,5% ihres sauer verdienten Geldes für die künstlichen Hüften derer abgeknöpft, die noch eine ordentliche Rente auf Mallorca versaufen um dann vorzeitig zu sterben.
En passant.
Chapeau!

R.L.

Made in Germany.

Sehr viel deutlicher kann Organisation nicht über motivatorisches Geschwurbel triumphieren. Die neuen Deutschen Tugenden heissen – man glaubt es kaum – Coolness, Technik, Unbekümmertheit und Selbstbewusstsein. Danke, das wir das erleben durften. Das Sommermärchen 2010 ist ein Paradigmenwechsel: Wo tumbe Kräfte walten macht sich eine Leichtigkeit breit, die so herzerfrischend positiv gestimmt ist, daß man Kohl’s Enkelin nur gratulieren kann für ihren Instinkt. Sie wird das Debakel der Präsidentenwahl einfach aussenpolitisch und mit einem roten Sacko wegbügeln … und dann in den Urlaub fahren. Schlaues Mädchen.

Kein Gegner sieht so aus als könnte er uns schlagen. Und das ist möglicherweise – dem werten Kollegen folgend – ein Indiz dafür, dass Deutschland vielleicht doch nicht so schlecht ist (not in Soccer, stupid!), sondern in Punkto Ansatz, Hintergrund und Gelassenheit. Dann bin ich auch bereit, in den Taumel einzufallen und aus vollem Halse „Schlaaaand!“ zu singen.

Das wird noch lustig. Mein Gott was haben die Politiker nur für ein Glück.

E nao deu.

Es gibt keinen Gott. Das haben die Brasilianer und ihre fundamentalistischen Erweckungsjünger heute ebenso erfahren, wie die allzu sorglos mit überirdischen Fingerzeigen umgehenden Ghanaer.

Und um den Gedanken des werten Kollegen weiterzuführen: wenn Rückschlüsse auf nationale Befindlichkeiten mittels Fussball bzw. dem Auftritt auf der weltgrößten Bühne desselben erlaubt sind, dann wäre die FIFA so etwas wie die Katholische Kirche. Zunächst einmal wegen des störrischen Beharrens auf Deutungshoheit; und einem Hang zur Unfehlbarkeit, verbunden mit obstinaten territorialen Ansprüchen. Ich erkläre mich: technische Hilfsmittel zur Herbeiführung objektiverer Entscheidungen werden behandelt wie Kondome in der Diaspora. Die Obrigkeit weiss ganz genau, daß ihnen die Schäfchen wegsterben, sollten sie nicht einlenken, befürchten aber den Autoritätsverlust derartig, dass der Erzbischof – betrübt und kopfschüttelnd – schliesslich entscheidet: „Lasst die Hexe noch ein wenig schmoren; wir verbrennen sie später“.

Auch die Einmischung der Politik – die in der causa francia ernsthafte soziopolitische Hintergründe hat – wird nicht geduldet und mit Hinweiß auf die Verbandssatzung selbst auf präsidialer Ebene gerüffelt. Kein Problem für die Franzosen. Sie werden einen Untersuchungsausschuß berufen, der a) alles untersucht um dann b) festzustellen, dass ebendiese Untersuchung leider illegal war. Zeitgleich und deshalb höchstens mit einer Entschädigungszahlung an die Blattern verbunden. Beides die Politik der „Bibliothek der 4 Winde“ gewissermassen: „Kein Problem, kommen sie rein, suchen Sie sich ein Buch raus, wir wissen nur nicht, wo es steht.“

Und was die sich penetrant bekreuzigenden Erweckungsjünger angeht, gilt nach dem Motto „vorne beten, hinten treten“ folgerichtig, dass die Dungas leider auch zum entlarvten Kreis (s.u.) derer gehören, die auf der verknöcherten Basis globalisierter Erfolgsrezepte keine neuen Impulse (und Talente) zulassen, die sich dem Diktat der Effizienz verweigern („Guter Fussball ist, wenn man ihn gewinnt“). Die schöne neue Fussballwelt ist eine Firma; Ihre Manager sind Typen wie Mourinho und Platini oder auch Frau Schaeffler. Sie werden ebenso scheitern wie die Kirche, denn E nao deu. Macht aber nix, denn sie werden dabei unermesslich reich und geniessen ihren Misserfolg bestimmt irgendwo, wo WIR nicht sind.

Den tendenziell klischeehaften Gedankengängen folgend bleibt anzumerken, dass sich die historische Chance bietet, Deutschland als aufgeklärtes, zukunftsorientiertes Multikulti-Kollektiv zu präsentieren und darzustellen, daß auf dem Humus missgelaunter Spießigkeit lustige, weltoffene, unbekümmerte, ja, verspielte Ranken sprießen können. Leider geht dieses Experiment ausgerechnet gegen die vorletzten Schwärmer, die irrationalen Stolzgockel und dröhnenden Einwanderungsfaschisten mit dem Hang zur Selbstzerstörung. Ehrlich gesagt hätte ich gerne ein anderes Opfer gehabt. Nix für ungut, aber die hau‘ ma weg.

Ja, ich weiß, schon lange nicht mehr geschrieben. Die Laune war zu schlecht dafür und die Spiele auch. Wie sagte doch ein guter Freund gestern zu mir? „Aktiome sterben, Kulturen sterben, Geschichte stirbt, Politik stirbt, Menschen auch – aber gute Manieren sterben nie.“

Laut.

So eine kleine Extraktion ist ja eigentlich ein „piece of cake“.
Was mich aber heute echt fertig gemacht hat, war das zirkumpolare abschneiden der real existierenden Krone mit Metallkern. „Das waren noch Zeiten!“, meinte die Ärtztin lapidar dazu, als sie zum wiederholten male eine Art Miniflex zum Ansatz brachte, deren Geräusch mir schier die Schädeldecke wegzusprengen drohte. Nie in meinem Leben habe ich ein derart lautes Geräusch gehört. Auf meine Anweisung hin hat sie dann einen anderen Schneider/Bohrer verwendet, der zwar länger zuwerke ging, meine Gehörnerven aber weniger strapazierte. Was lernen wir daraus? Es gibt für alles das richtige Werkzeug – deswegen sind wir Menschen und keine Affen – aber nur die schlauen Affen wissen, welches das Richtige ist. In der Politik soeben zu bewundern. Und in der Kultur ebenfalls. Die Kunsthalle hat jetzt 5 Monate geschlossen. Wegen Geld- bzw. Werkzeug-Mangels.

Arkadien.

Wer es nicht erlebt hat, wird es sich kaum vorstellen können.
Der Streifen Südfrankreich, der in meinem Herzen wohnt, ist stärker als jede Urlaubswerbung und jedes Klisché. Es zu verlassen führt – wie ein guter Freund mir sagte – zu „unendlicher Wehmut“. So ist es, und zudem ein Beweiß dafür, dass die maßvolle Vermengung von Natur und Kultur das hervorbringt, nach dem das Herz des Epikuräers trachtet: Einheit von Geist und Materie, Sinnlichkeit und Ordnung.

Und nochmal leck‘ mich am Arsch.

Kein Wunder.

Kein Wunder, daß einen nach einer Woche Deutscheland der große Kater überfällt. Der, der mit den Krallen des Totalitären ebenso zu überzeugen weiß, wie mit dem Schnurren der Organisation. Es ist schon seltsam, dieses Gemenge aus Perfektion und Seelenlosigkeit als unmittelbar lebens- und sinnesfeindliches Konstrukt erleben zu müssen und sich dennoch irgendwie wohlzufühlen darin. Keine Seele, aber gut organisiert; mittelbar die Begründung seiner selbst: wenn Du Dich nicht ganz wohl fühlst, hast Du’s begriffen. Und: wir sind nicht dafür da, dass es Dir behaglich sei. Mittelfristig: leiste was, dann gehts Dir besser. Längerfristig: schaffe etwas, dann geht es uns allen gut. Will ich aber nicht. Leckt mich am Arsch, Ihr verdammten Pharisäer.