Quack.

LeutediedenMusiktheaterArtikellesenmöchtensollenweiteruntenGucken.

Ente ist Soulfood.
Wenn Menschen gute Ente essen, werden sie ebenso freundlich wie enthusiastisch, und duldsam. Wie sagt der Vietnamese: Die Ente, der Karpfen und der Ralph sind die Säulen des Landmannes Küche.
Tien Hu sagt:
„Wie es essen soll“
„Wie es sprechen soll“
„Wie es ein Paket verpacken soll“
„Wie es ein Paket öffnen soll.“
Dafür koche ich.
Heute Barbarie-Entenbrust im eigenen Jus.
Dazu eine Art Gemüse-Risotto „Basquaise“.
Gute Nacht.
R.

Hellrider Cup.

Das kann einen ja für Tage fast lahmlegen.
Und dann gewinnen doch die Europäer.
14 1/2 zu 13 1/2.
Es war ein großer Kampf.
An dessen Ende nur noch individuelle Klasse entschieden hat.
Und nicht das beschworene, verschworene Gruppengefühl, dass die Europäer als „Image-Tag“ für immer in einen gewissen Vorteil setzt. Wie gestern gesehen. Ja, da war es.
Aber heute ging es auf den letzten Metern (literally!) nur über Persönlichkeit.
Diesbzgl. geht unser Dank auch an Westwood, McIllroy, Jimenez, Moli II … und Graeme, den verschissenen Walliser.
Sehr erleichtert ob des Kampfes der Systeme (stell‘ mal Stricker, Cink und Furyk in eine Reihe und Du weisst, dass sie in der Bush-Ära selbst diese Typen geklont haben), der knapp gewonnen wurde.
Anyway: ein schöner Tag für das Golf.
Selbst so, wie Knut das spielt (;-).
Love,
R.

Musiktheater.

Das Unmögliche an Musical ist, dass es so an der Realität vorbeigeht; dass Eskapismus die vorherrschende Komponente im Mix aus feinstem Handwerk, engagiertem darstellerischen Willen und grauenvollem Kitsch ist. Dass dem Anders sein kann, hat der Konzertabend von RE:PRESENT mit Jason Robert Brown und den üblichen Verdächtigen gezeigt: und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Hier wurde vorge-zeigt, was GEHT im Genre der gerontologisch bedrohten Zielgruppen. Zwar war der überwiegend junge, workshopträchtige Teil des Publikums sachgemäß informiert über den Star-Status des Protagonisten, wollte sich aber dankenswerterweise nicht als billige Klaqueure verdingen – was den anderen Teil (ausnahmslos Kenner der Szene) dennoch von den Stühlen riss.
Große Freude unsererseits.
RE:PRESENT is on the map.

Wenn also die Deutsche „Creme“ aufläuft: Zodwa Zelele elelegisch (Dank an Tro(H)ja), Sabrina downtown soult, Pia sich den Wolf spielt, Alexander elegisch (werden muss), Charlotte roehren soll; Sabrina das aber viel besser kann, Pia immer noch spielt und ein Volkan Baydar endlich mal aussingt und zeigt, was er kann (was Jason kaum glauben mochte und mit einem breiten Grinsen quittierte); die „Running Order“ damit ad absurdum führte, die Kids in der ersten Nummer nach der Pause aber alles vergessen machen und zu den heimlichen Stars des Konzerts aufsteigen; dann, ja dann ist es ein Wagnis gewesen, dass sich lohnen wird.

Denn wir haben gelernt, dass es ein breites Publikum jenseits des Errechneten gibt, eines, dass sich begeistert für „Fringe“-Aktivitäten jenseits des Mainstream … wie die von RE:PRESENT. Die Mitte ist in dem Fall oben.
www.represent.de

Danke Sim,
danke Ralf,
Love,
R.

Endlich auf jeanbrasse: Preisrätsel!

Anstelle eines ausgedehnten Kommentars zur aktuellen Lage von Kultur und Gesellschaft bringen wir – erstmalig! – ein Preisrätsel: Drei Zitate aus Highlights der Filmgeschichte des vergangenen Jahrhunderts, die, wenn man sie nur einigermaßen intelligent reflektiert, den ausgefallenen Kommentar mehr als ersetzen! Also los geht’s: Zitate lesen, Film erinnern, Bezug zur aktuellen Situation konstruieren, AHA-Effekt genießen… und am Preisrätsel teilnehmen. Hier die Zitate:

„Soilent Green ist Menschenfleisch!“

„Ihr könnt mich alle am Arsch lecken! Ich lass mir das nicht länger gefallen!“

[Guru:] „Ihr seit alle Individuen!“ [Menge:] „Wir sind alle Individuen.“ [Einzelner in der Menge:] „Ich nicht!“

Naaa?!! -??-!!!!

Dann: Die entsprechenden Titel zuordnen. Einen kurzen Kommentar beifügen, in dem man begründet, inwiefern sich die Botschaft der genannten Filme auf die aktuelle Situation beziehen lässt… und ab an jeanbrasse. Alle TeilnehmerInnen gewinnen (möglicherweise) an Renommée.

Lanze für Werbung. Brechen

Es gibt ja immer mehr Leute, die ihre Briefkästen mit Beschwörungsformeln spicken wie: Keine Werbung! (Bitte). Warum das verständlich ist, muss nicht erläutert werden. Warum einem dabei auch einiges entgehen kann, am Beispiel schon:

Neulich fand ich in meiner nicht-virtuellen Mailbox ein nettes Brevier zur Anpreisung allerhand pflanzlicher Wundermittel, ganz prominent beworben dabei ein auf männliche Klientel abgestimmtes Stimulans: „Jeder Mann sollte sich eine Erektion leisten können – auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten!“. Und, wie der Himmel so spielt, daneben der Handzettel des lokalen Alimentari mit italienischer Handwerkstradition: „Wir haben eine Nudel für jeden Anlass!“. Ich finde, die beiden sollten sich grundsätzlich zusammentun. Etwa so: „Wir haben eine Erektion für jeden Anlass!“ und „Jeder Mann sollte sich seine Nudel leisten können – auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten!“. Beratungsaufträge nehmen wir jederzeit gerne entgegen.

Frikadelle.

Unter diesem Rezept ist der eigentlich interessante, wenngleich wirre Artikel. Aber wenn aus den armen Schichten schon Hackfleisch gemacht wird, hier abschließend und bitte ohne Widerrede: Die beste Frikadelle der Welt.

1 Zwiebel
1 Zehe Knoblauch
4 Stengel Petersilie (mit Stengel)
fein hacken und alles sanft glasig anbraten (wenn ablöschen, dann dafür sorgen, dass keine Restflüssigkeit bleibt), beiseite stellen.

100 G. trockenes Weissbrot (oide Semme oder doppelt getoastetes)
mit Milch einweichen, ggf. auspressen, fein hacken.

400 Gr. gemischtes Hackfleisch,
1 Ei
das Brotgemisch
die Zwiebelmischung
mit
gut Salz,
ordentlich Pfeffer,
nach Gusto Cayenne-Pfeffer (da geht einiges),
3 Prisen Kreuzkümmel (Cumin/unverzichtbar, schmeckt dann aber nicht danach),
1 Esslöffel scharfem Senf
vielleicht auch noch süßem Senf,
möglicherweise gemörserten Fenchelsamen,
vermischen zu einem glatten Teig.
1 Std. stehen lassen (oder auch nicht).

Mit nassen Händen Bällchen oder Fladen formen.
In reichlich Öl (Raps Distel, Olive – auch gemischt)
ausbacken, d.h. mehr als braten, weniger als frittieren.
Öfter vorsichtig wenden (achtung, sehr fluffig) bis beidseitig zu dunkel.

Auf Küchempapier trockenlegen und mit parallel gemachten Pell- oder Bratkartoffeln und Kräuterquark servieren. Dijon-Senf dazu. + gewässerte Radieschen + Cotes du Rhône.

Legt Euch gehackt!

R.

Reisen.

Moin.
So, jetzt aber mal genug mit dieser Trübsalblaserei.
Traut sich ja keiner mehr, draufzuschreiben, auf diesen Haufen Desillusion.
Habe beschlossen, dass mir die blöden Bayern wurscht sind und das ich dort rauchen werde, bis ich festgenommen bin.
Aber die Aktualität ist ja zugegebenermaßen eher morose.

Wäret ihr hingegangen.
Wäret ihr nicht hingegangen.
Waeret ihr gefangen.
Haettet ihr gehangen.
Also wohin?

Nun, wir werden nach Laos fliegen. Ja fliegen, und unsere bisher vorbildliche Ökobilanz schwer schädigen. Aber ich habe heute in einer kleinen Sackgasse ohne Grundstückszugang das große, teure, einbetonierte, witterungsbeständige Stahl-Schild „Kein Winterdienst!“ gesehen. Insofern mach ich mich locker.

Mein Bruder will seinen Kindern Afrika nahebringen, bzw. das Fremde an sich, nehme ich an. Als typischer Südafrika-Einsteiger mit höchst komfortablen Erinnerungen an 0 Zeitverschiebung, geleckte Straßen, vom Ufer sichtbare Wale, gutes Essen und bestens organisierte Bed&Breakfasts mit Mobiltelefonanschluss und Internet-Site, empfahl ich zunächst ebendies. Das war ihm zu recht zu einfach. Also kamen Sambia (?), Tansania, Mozambique, Madagaskar und Sansibar ins Spiel. Damit hat er impulsartig den Abenteuerer in mir geweckt. Seitdem vertiefe ich mich in die Aufteilung und Topographie der Ostküste Afrikas. Da überkommen einen Wallungen von Peinlichkeit, weil man ja keine Ahnung hatte; Beschämung ob der Unkenntnis über Lage, Kultur, Situation und Zustand, Staunen über die Dimensionen, die unerschlossenen Gebiete und dazu völlige Analphabetie in Bezug auf die lokalen Sprachen. Wow. Ziemlich schwach.

Worum es mir beim Reisen wohl immer wieder geht, ist, die Fremde dahingehend auszuloten, dass man selbst etwas mitnimmt außer Erinnerungen. Etwas, was Farben verändert, Perspektiven verschiebt und die Wahrnehmung auf Jahre hinaus infiltriert. Wenn wir also nach Laos fliegen, über Bangkok nach Vientiane, Vang Vieng, Luang Prabang, Muang Ngoi Neua, Pakse, Champasak (What Phou) und Si Phan Don (soll Euch neugierig machen), dann wünschen wir uns nicht nur Veränderung im Äußeren.

Falls irgend möglich werden wir mit dem Bus reisen und – ausser den Flußpassagen – das Moped wählen und zu Fuß gehen. Viel und lange. Wo und wie hängt dort von der Witterung und der Marktlage ab. Und wenn da grade keiner Bock hat, dann geht da nix. Insofern soll die „Planung“ nur ein Minimum an Kontrolle simulieren, die abgesehen von Vorbereitungen zur Kultur, grundlegend sinnlos ist.

Endlich wieder ein Abenteuer. Nicht wissen, was einen erwartet. Sich hintrauen, 10 Jahre vor den Anderen. Wie in Vietnam und Cambodscha geschehen („Duch“ endlich hinter Gittern. Wir haben ihn sozusagen noch in Freiheit erlebt und sein Foltercamp besucht). Unlöschliche, nicht reproduzierbare Eindrücke aus der Zeit, bevor die Globalisierung zuschlägt. Bevor die Faust des aufkommenden Wohlstands trifft. Mitten in die Leber der Aufstrebenden. Wovon sie sich, aber nicht die Gesellschafter, ergo das Volk, erholen.

Wir freuen uns schon so auf die Erkundung eines Landes, dass keine Küste besitzt aber den größten, besten Teil des Mekong; das mit Vientiane die wahrscheinlich beste und günstigste Feinschmeckerdestination abseits ausgetrampelter Pfade bietet, das Flächenbombardements der allerhöchsten Militärordnung (also jenseits der Genfer Convention) über sich ergehen lassen musste (mehr als der zweite Weltkrieg) und deshalb dünn besiedelt und von der globalisierten Welt noch abgeschnitten ist, aber die Größte Dichte an Naturreservaten und -Wundern in ganz Südostasien hat. Und die friedlichste Gesellschaft überhaupt.

Vielleicht verhält es sich da so ähnlich wie mit der Mauer. Wo der Mensch kaum mehr Einfluss genommen hat, entwickeln sich ganz eigene, lebensfähige Ökosysteme. Was mal wieder beweisen würde, dass Homo Sapiens wirklich so etwas ist, wie eine Krankheit. Die sich nach unserem bisherigen Wissen allerdings bisher nur ein Planet eingefangen hat.

Sabaidee!
R.

http://www.iexplore.co.uk/city_guides/Laos/Vientiane/Food

Paternalistische Bevormundung: Vorspiel

Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, Art. 2 Abs. 1

Nach dem bayerischen Anti-Raucher-Volksentscheid erhebt sich nun das Gejammere der Passiv-Raucher, die meinten, von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch machen zu müssen. Dabei hätte ihnen die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zu Gesetzesanträgen der Tabak-Taliban aus dem Jahre 2008 zu denken geben können.

Und für eine wirklich gute, demokratische und verfassungskonforme Argumentation im Umfeld der Abstimmung hätten ihnen (und allen freiheitlich und kultiviert denkenenden Nichtrauchern) die Worte des Prof. Dr. Johannes Masing dienen können. Dieser Bundesverfassungsrichter begründete seine abweichende Meinung zum Senatsbeschluss des BVG vom 30. Juli 2008 zum Rauchverbot u.a. wie folgt:
Ein ausnahmsloses Rauchverbot in allen Gaststätten wäre meines Erachtens auch in der Sache verfassungswidrig. Es handelte sich hierbei um einen Eingriff … in die Freiheit der Raucher nach Art. 2 Abs. 1 GG, der mit dem Verhältnismäßigkeits- grundsatz nicht vereinbar wäre.

Ein ausnahmsloses Rauchverbot ist zum Schutz der Nichtraucher nicht erforderlich und als Maßnahme der Suchtprävention zum Schutz der Bürger vor sich selbst unverhältnismäßig. Es wäre ein Schritt in Richtung einer staatlichen Inpflichtnahme zu einem „guten Leben“, die mit der Freiheitsordnung des Grundgesetzes nicht vereinbar ist.

Mit einem absoluten gaststättenrechtlichen Rauchverbot wird das gesellige Beisammensein und Feiern bei Tabak, Speise und Trank völlig aus dem öffentlichen Raum und dem gewerblichen Angebot verbannt…Der Genuss von Tabak bei Speise und Trank wäre danach im Wesentlichen nur noch innerhalb der privaten vier Wände möglich. Dieses aber ist angesichts einer Tradition, in der diese Verbindung seit Jahrhunderten von vielen als Teil von Lebensfreude empfunden und gepflegt wird, und angesichts eines Raucheranteils von mehr als 30 % der erwachsenen Bevölkerung unverhältnismäßig…Das gaststättenrechtliche Rauchverbot ist insoweit auch mehr als die Bagatellbelastung, zur Befriedigung einer Sucht vor die Tür treten zu müssen. Es unterbindet vielmehr eine tradierte Form des kommunikativen Miteinanders in als persönlich wichtig angesehenen Situationen, für die der – zu Recht oder zu Unrecht als subjektiv frei empfundene – Rückgriff auf den gesundheitsschädigenden Tabak als wesentlich erlebt wird. In Blick auf damit verbundene Gefahren kann der Gesetzgeber … nicht auf dem Verbotswege die Verbindung von Tabak, Speise und Trank völlig dem gewerblichen Angebot in der Öffentlichkeit entziehen.

Die Freiheitsrechte des Grundgesetzes verpflichten den Gesetzgeber auf Regelungen, die der schwierigen Spannung von Schutz und Freiheit ausgleichend Rechnung tragen. Damit verträgt sich die Radikallösung eines absoluten gaststättenrechtlichen Rauchverbots nicht. Mit ihr wird vielmehr ein Weg edukatorischer Bevormundung vorgezeichnet, der sich auf weitere Bereiche ausdehnen könnte und dann erstickend wirkt.

Dieser „Weg der edukatorischen Bevormundung“ ist nun beschritten; ein Präzedenzfall geschaffen. Im Lichte der Analyse von Prof. Masing betrifft dies mitnichten „nur“ die Raucher. Es betrifft vielmehr potenziell jede Lebens-Art, jede Kommunikationsform und jede Praxis kulturellen Miteinanders, die in das Blickfeld der „Kultur der Gestörten“ geraten und deren Impuls, was „stört“ unsichtbar zu machen, auslösen könnte. Argumentationen, die auf „Gesundheit“ und „Verantwortung“ abheben, haben sich dabei als gefährliche Waffe erwiesen. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass der Diskurs um Qualität, Schönheit und alles, was ein gutes Leben ausmachen kann, von höchster Relevanz (und politischer Brisanz) ist, dann liegt er spätestens nach diesem bayerischen 4. Juli vor.

Flugwahn.

Die hauen hier die Ferien-Flieger im 1 1/2-Minuten-Rythmus raus.
Und das im kleinen Hamburg.
Als gäb’s kein morgen.
Sagt ein Planet zum anderen: „Du siehst aber Scheisse aus“
„Ja, ich hab‘ Homo Sapiens“
„Macht nix, geht vorbei.“