Jubilaeum.

Wahrscheinlich braucht es abseitige Anlässe, um einen wieder an’s Schreiben zu bringen.
Meiner ist das Jahr 1986. Ich hatte gerade erfolgreich mein zweites Jugendforum gemacht; nie vorgesehen im Plan der Pleitiers, aber dennoch zwingend in Form und Inhalt. Weitere sollten folgen. Belohnt habe ich mich mit einer Sizilienreise (solo) und – direkt nach der Rückkunft – dem Erwerb eines sexuell höchst aktiven Paares. Die beiden hießen und heissen SONY SRS-150, sind im Geschäftsleben Aktivboxen und seitdem meine treuen Begleiter. Erstanden in einem berühmten Elektrofachhandelsgeschäft auf der Sonnenstraße zu München, sind sie bis heute meine eine und einzige Hifi-Anlage geblieben. Es ist wirklich kaum zu glauben: die beiden, bis heute befeuert von einem alten „Aiwa Portable CD-Player“ (damals der neueste Schrei und Schuld an der Auflösung meiner Plattensammlung) haben mich ein vierteljahrhundertlang durch 10 Umzüge mit Musik versorgt und waren meist das Letzte, was eingepackt und das Erste, was ausgepackt wurde.
Von der Westermühl an den Elisabethplatz, von der Himmel- in die Rehmstraße, von Wiesbaden nach London über den Leinpfad, die Waterloo und die Buchenallée bis in die Telemann.
Sie haben nie gemuckt.
Nur immer Mucke gemacht.
Wann ich es wollte und zu zahllosen Anlässen.
Klein, fein, daheim.
Viel, laut und für viele.
Demonstrativ, konstruktiv, inspirativ.
Zum Frühstück, zur Party, zum sumpfen, zum Dinner unter Freunden.
Ich danke der Firma Sony für dieses fehlerlose und unglaublich langlebige Produkt, dass mir die Hoffnung schenkt, dass es noch Ingenieure gibt, ach nee, gab, die …. OK, vergesst es.
Love,

PS: gerade laeuft „Khmer“ von Niels Petter Molvaer – der Sound ist … gut.

Im Wald.

Stille, Wald, Gehen, Haareschneiden, Weissweintrinken, Sonennuntergang, Dach im Wind, Indische Suppe.
An einem Tag wie heute frage ich mich ernsthaft, ob die Welt wirklich nur das ist, was wir erleben, oder ob es einen Strom gibt, an dem wir verschiedentlich partizipieren. Wenn nämlich nur das existieren würde, was wir mit unseren Sinnen erleben, wäre es ja ein Einfaches, glücklich zu sein. Und wenn es so einfach wäre, frage ich mich, warum so viele und vieles sich dieser Wahrheit verschliessen. Durch Negation, Opposition, Stagnation, Destruktion. Also ist es wahrscheinlich ein frommer Wunsch, oder eine Art agnostischer Selbstversicherung.
Scheiss der Hund drauf, ein wundervoller Zaubertag, allein mit Augen, Ohren und Nase & Co.
R.

Sarkozien-Strauss für Dominique. Kahn es sein oder Soficktell me more.

Stellt Euch einfach mal einen dieser finsteren 70er-Filme von Lumet, Costa-Gavras, Chabrol, Sautet oder Verneuil vor: Lino Ventura schleicht vor den offiziellen Ermittlern ins Hotelzimmer, findet Dominique sein Handy und lässt es lässig in seiner verbeulten Jacketttasche verschwinden. Alles in einem deprimierenden gelb-braun, das teils den Tapeten, teils der unheilvollen Stimmung geschuldet ist. Denn er weiß: der Kahn ist aus Panik vor der Falle, deren Ausmaß ihm schlagartig klar wurde, Hals über Kopf geflüchtet. Schliesslich hat er als Ermittler – nennen wir ihn Langlois – lange genug selbst für Sarko gearbeitet; hat den Liebhaber seiner Frau ausfindig gemacht und ihm persönlich berichtet. Da war er noch beim Verfassungsschutz. Das hier, das ist jetzt zu viel für ihn. Das wird er nicht zulassen. Weder die Häme seines früheren „Patron“, noch die Attacken von France Soir und schon gar nicht die glitschigen Aufrufe zur Mäßigung aus dem Elysée, von Hollande und der bedauernswerten Aubry. Von der dummen Pute LePen ganz zu schweigen. Aber die bringt sich ja sowieso mit jeder ihrer verfrühten Triumphe in Schwierigkeiten. Keinen Instinkt. Ganz anders Sarko. Den kennt er, und dem wird er es nicht gönnen. Der gönnt ja auch keinem was. Aber dass sie es ausgerechnet in NYC und noch dazu an diesem Tag wagen würden hatte er nicht vorausgesehen. Schlechter Film, schwerer Fehler. Hätte er doch kommen sehen müssen. Erst die guten Umfragewerte in Frankreich als aussichtsreicher Kandidat der Salon-Sozialisten (mithin des französischen Ideals eines Staatschefs), dann die Ankündigung, sich einen Vertreter der Schwellenländer als Nachfolger zu wünschen, dann am nächsten Tag die EU-Sitzung über die griechischen Schulden, von denen er ein Drittel selbst, fast schon persönlich trägt. So wie das Erbe von Wolfowitz als Weltbank-Chef und Irakkriegstreiber, den er entmachtet und damit die USA düpiert hat. Und nicht zuletzt die Air France-Maschine, die zwar die in ihr geborene zu Franzosen macht, aber eben erst, wenn sie in der Luft ist. Dass alle untersuchenden Beamten vermutlich Frauen sein werden, ebenso die Richterin, ist da nur eine Unwägbarkeit am Rande.
Also lässt er das Telefon in seine Tasche gleiten und geht den heranstürmenden FBI-Schergen mit strengem Gesicht entgegen, nickt ihnen kurz und schlecht gelaunt zu und wir sind alle erleichtert.
So wars aber nicht.
Es war ganz anders.
Und jetzt sind nur noch zwei im Rennen.
Die werden sie auch noch kriegen.
Dann sind wir am Ende.
Und jetzt kommst Du.
R.

PS: Services secrets francais:

Pauli Lions 2.0

… and now to something completely different (So. 20:15 auf Arte!).
Die Mannen von St. Pauli haben heute den statistisch schwer zu konkretisierenden Beweiß dafür geliefert, dass man untergehen kann dadurch, dass man oft gegen Mannschaften verliert, die keinen Deut besser sind, als man selbst. Womit die 5 (!) Löwen auch nur „pretenders“ wären, die nach Kräften über ihre Verhältnisse leben. Denn Katastrophentouristen gibt es zuhauf und Royalisten sind auf dem Vormarsch. Der Trost bleibt, dass die Königlichen ohne Sinn, Verstand und Perspektive sind (ausser sich selbst zu inszenieren) und es der Liga eben so geht. Wer keine Deutungshoheit hat, geht unter. Sind ja Vereine nach Deutschem Recht. Ergo einerseits millionenschwere „Player“ mit ebensolchen Schulden, andererseits Fanale eines Geistes, der Niederlagen zugesteht und Nachwuchs fördert, gierig guckt und Dilletanten gewähren lässt.
Die vier Löwen sind auch deshalb komisch weil sie (wie Pauli) im hilflosen Versuch ihr Heil suchen. Nur das wir uns in der Zweiten wohlfühlen und die selbst in der Vierten nicht.

Four Lions! More Lions!!!

Was auch immer der Grund dafür sein mag, dass der britische Humor so einzigartig ist; er benötigt jedenfalls für seine anarchisch-brachiale Art, Aufklärung zu betreiben, als Gegenüber und Treibstoff  möglichst verfestigte, verknorzte Strukturen des Denkens und Verhaltens – und findet daher eben auf der Insel sein ideales Biotop.

Bei uns würde der britische Humor sich aus den genannten Gründen wahrscheinlich am ehesten tief in Bayern niederlassen. Womit wir auch schon bei der CSU wären und ihrem MdB Stephan Mayer, der im Vorfeld (bei welcher Gelegenheit hat der eigentlich, wenn überhaut, Ewigkeiten vor der Deutschlandpremiere den Film gesehen?) sich bei SPIEGEL-TV zu „Four Lions“ derart geäußert hat, dass man bedenken müsse, ob der Film nicht „Öl ins Feuer gieße“, was dann so interpretiert wurde, als wolle er den Fim verbieten lassen, faktisch aber als Werbeaktion wirkte (danke!) und man kann sich selbstredend fagen: Wer steht hier eigentlich auf wessen Payroll? Davon abgesehen wäre es natürlich interessant zu erfahren, was inhaltlich eigentlich gemeint war: WESSEN Öl in WELCHES Feuer?

Denn, um mal eines der Prinzipien von Jean Brasse zu verraten: Es kann manchmal ungeheuer produktiv sein, von der Annahme auszugehen, dass Leute, die was gesagt haben (wie in diesem Falle der MdB Mayer von der CSU), nicht 100% so doof sind, wie man geneigt ist, unmittelbar nach der Rezeption ihrer Äußerungen anzunehmen. In diesem Falle könnte das etwa zu der Schlussfolgerung führen, dass der Abgeordnete Mayer „intuitiv“ erfasst hat, dass der – um es frank und fei zu sagen– geniale Film „Four Lions“ nicht nur einfach „Muslime“, „Islamisten“ oder wie immer man die entsprechende Klasse von menschlichen Individuen sprachlich klassifizieren mag, der Lächerlichkeit und dem entsetzten Erkennen ihrer Monströsität preisgibt, sondern anhand des Modells „(Möchtegern-)Islamisten“ beispielhaft vorführt, dass „Gläubige“ jeglicher Provenienz unter hochfrequentigem Hirnversagen leiden und buchstäblich und mit der absurdesten Konsequenz fähig sind, Unheil über sich und andere zu bringen. Und jetzt könnte es ja sein, dass nach Rezeption des Films jemand mit dieser Erkenntnis ausgestattet nach Bayern oder überhaupt in die Welt hineinblickt – und wer weiß, was das wieder für Folgen hat.

Die unabweisbare Wahrheit, dass „Glauben“ und „Vertrauen in eine höhere Instanz“ Folgen zeitigen, die für die unschuldig Betroffenen absolut tödlich sind, wird ja im Film wiederholt auch anhand des Verhaltens der Polizei vorgeführt. Das fantastische Drehbuch hätte, und darüber kann man beim Anschauen des Films eigentlich zu keinem Zeitpunt zweifeln, genauso auch mit fundamentalistisch-republikanischen Abtreibungsgegnern in den U.S.A. oder jedem anderen Deppenverein all around the globe funktioniert.

Das eigentliche Wunder an diesem Film ist allerdings – bei allen schreiend komischen Gags – die Feinheit der Abstufungen, die er sich leistet, wenn es darum geht vorzuführen, wie viele unterschiedliche Varianten zum Thema „Glauben“, „Überzeugungen“, „Autoritäten“ einerseits und Handeln sowie Emotionen andereseits es gibt. Geradezu von shakespearschem Rang ist die Szene, in der Omar, im doppelten Sinne „Kopf“ der Attentäter, letztlich erfolgreich versucht, seinen debilen Genossen durch die Umkehrung der Metaphorik von „Herz“ und „Verstand“ ins (Selbstmord)Attentat zu treiben. Was am Ende bleibt, ist ein Wahnsinn, der eben nicht, wie in den unseligen Hollywood-Serienmörder-Filmen, ein beruhigender, weil exzeptionell-pathologischer, abwehrbar fremder Wahsinn ist, sondern die Gleichsetzung vom Menschlichkeit und Wahnsinn. Fantastisch hierzu die Rolle von Omars Frau, als selbstbewusste, „emanzipierte“ Muslimin, die gleichwohl ihren Mann als „Helden“ (also: tot) verehren möchte. Auf derartige Feinheiten einzugehen, würde Seiten füllen.

Fazit: Dem Film geht jegliches Phänomen, das nur im entferntesten als Denkverbot fungieren könnte, am Arsch vorbei – was naturgemäß dazu führt, dass man von denen, denen die Denkverbote ein Anliegen sind, nicht gerade Freundschaftsangebote erhält – und Chris Morris als Brite zieht das eben in einer Konsequenz und Gelassenheit durch, wie weiland wohl nur noch General Schwarzkopf seine Schuhverkäufe an die eigene Armee. Genau deshalb kann er, Morris, islamistische Attentäter als zutieftst menschlich darstellen und das heißt, als Wesen, die schon zerrissen sind, bevor die Sprengladung an ihrem Körper explodiert. Menschliche Wesen sind eben zu allem fähig– im Guten wie im Bösen. Menschen sind zu jedem Opfer (im doppelten Sinne des Wortes) bereit, wenn sie nur was glauben – und weiß Gott: Offenbar will der Mensch glauben (und sei es auch nur, dass er glauben will, er wisse, was im Kopf eines Islamisten vorgeht). Und da sie alle irgendwas glauben, die Menschen, sind sie extrem gefährlich – und extrem lachhaft.

Viele Kinogänger werden bei „Four Lions“ einfach nur ihren Spaß haben, manche werden noch viel mehr davon haben. Für mich jetzt schon Rubrik „Kult“.

Wir trinken soviel wir können…

Werbung kann manchmal doch noch Spaß machen: Beispielsweise der Spot des Familienministeriums (?), der mit dem kleinen Darth Vader für’s Kinderkriegen wirbt, wo man immer denkt: Ach, Kinder sind doch vielleicht auch außerhalb der Weihnachtsfeiertage was Schönes, in ihrer Fähigkeit, sich sogar ohne Alkohol in der wahren Realität einzurichten, und man würde womöglich erwägen, einen beschissenen Mittelklassewagen anzuschaffen, wenn man ihnen damit eine Freude machen kann.

Leider sind die großen, landes-, kontinent und weltweit verbreiteten Kampagnen selten so gut, während die Juwelen in den Provinzen von den lokalen Agenturen in aller Begrenztheit verbreitet werden und dem Gros des Publikums vorenthalten werden. So wirbt etwa derzeit die Regensburger Brauerei Bischofshof – Claim: „Das Bier, das uns zu Freunden macht“, was angesichts der Mentalität der Oberpfälzer schon die Frage aufwirft, ob in dem Bier wirklich nur legale Substanzen sind  – mit der Kampagne „Wir sind Bischofshof!“; und bringt authentische Typen aus der eigenen Brauerei und dem Gaststättengewerbe, wo man jetzt einmal sieht, dass eine Brauerei quasi einfach jeden Assoziierten für ein Werbeplakat ablichten kann, und man fasst gleich Vertrauen, während beispielsweise die Banken unter Zigtausenden von Mitarbeitern immer lange suchen müssen, bis sie einen finden, bei dessen Anblick man nicht gleich wohinfasst, um sicherzustellen, ob die Brieftasche noch da ist. So unterschiedlich sind die Gewerbe eben.

Das Lieblingsmotiv von Bischofshof sind Gaby (original mit „y“; re.) und Petra (li.), die auf dem Plakat an so einer brauereiinternen Schank stehen, mit einer Reihe von Flaschen vor sich und vor allem mit fünf frisch eingeschänkten Weißbieren („Weizen“, wie der Oberpfälzer sagt, weil: „Weißbier“ klingt oberbayerisch, also latent münchnerisch, und da hat der Oberpfälzer einen berechtigten, leitkulturell bedingten idiosynkratischen Impuls), mit fünf frisch eingeschänkten Weizen also, von denen die Gaby (re.) schon eins in der Hand hält. Und die Gaby (original mit „y“), schaut halt auch schon a bisserl so, dass man glaubt, was das Plakat dem Konsumenten da versichert, nämlich: „Beste Biere durch Verkostung und Kontrolle“ und der Petra glaubt man es eh, weil die ist auf dem Plakat im Hintergrund und etwas unterbelichtet, sodass man denkt, dass das auch seinen guten Grund hat. Jetzt ist das natürlich, wenn man sich mal in die Hirnwindungen zum Beispiel von einem Menschenfreund oder auch nur einem Gewerkschaftsmenschen hineinversetzt, ein bisserl eine merkwürdige Reihenfolge: Erst „Verkostung“, dann „Kontrolle“!-?-! Da könnte man schon kurz ins Grübeln hinüberdriften, mit Assoziationen an rotäugige Kaninchen und Mäuse, wo doch die Gaby und die Petra auch so weiß sind in ihren Kitteln. Aber nix da, die beiden Damen sind offenkundig durchaus fidel (die Gaby mit dem Weizen allerdings deutlich munterer als die Petra) und bei genauerer Betrachtung des Bildes sieht man ja jetzt auch, dass die Reihenfolge total der Bildkomposition entspricht: Vorne (re.) steht die Gaby mit ihrem „y“ und ihrem wirklich sehr leckerfrisch eingeschänkten Weizen und die Petra steht im Hintergrund (daher die Unterbelichtung) und hat, ja schau hin, ein Mikroskop vor sich. Und da sieht man natürlich sofort, wenn man Augen hat zu sehen, dass bei der Brauerei Bischofshof a) managementmäßig genauso wie belegschaftsmäßig einfach ein Grundvertrauen herrscht in die Qualität der eigenen Produkte, weil: sonst würde ja die Gaby nicht den ganzen Tag ein Weizen nach dem anderen zischen, ohne dass es die Petra vorher kontrolliert hat auf Bakterien, die man mit einem so kleinen Mikroskop auch gleich erkennt und b) erschließt sich natürlich auch sofort, dass man bei Bischofhof die wechselseitige Bedingtheit von Effizienz und Vertrauen klar erkannt hat, denn wenn man seinen Produkten und der Expertise der erfahrenen Trinkerin Gaby vertraut, muss man die Petra ja wirklich nur dann einschreiten lassen, wenn der Gaby mal ein Hautgout unterkommen sollte (und eine zweite Fachkraft vom Schlage Petras spart man sich da locker und zu Recht ein).

Jetzt ist es natürlich so, dass sich einem da schon nach kurzem Nachdenken die Frage der Gerechtigkeit aufdrängt. Weil: Aus Sicht des Bierfreundes hat die Gaby naturgemäß um mehr als Leberlänge den besseren Job! Und das hat der Fotograf der Werbeagentur jetzt auch garnicht weganimieren oder -retuschieren können: Die Gaby schaut einfach total entspannt, lebensbejahender und deutlich frischer aus dem Bild als die Petra in ihrer (fototechnisch begründeten) Unterbelichtetheit. Was selbtredend auch daran liegen kann, dass der Fotograf der Werbeagentur so ein typischer oberpfälzer Subversiver war, der zwar nie was sagt, aber ständig, während er scheinbar zur Zufriedenheit aller funktioniert, so zersetzende Gedanken in die Welt setzt, wo du nicht weißt, ob er’s auch wirklich so gemeint hat, weil: Gesagt hat er ja nix. (Sodass man nie weiß: Sind die intelligent oder ist es ihnen einfach nur passiert?)

Wie dem auch sei: Die Brauerei „Bischofshof“ hat da ein wirklich erfreuliches, weil hoch komplexes Stück Werbung in die (regionale) Welt gesetzt, da könnten die „Großen“ was von lernen (Lernfähigkeit vorausgesetzt). Und man könnte fast vermuten, dass die Macher den wunderschönen Slogan von Rainer Baginski (liebe Grüße nach Oben: Du warst ein selten intelligenter und bemerkenswert angenehmer Zeitgenosse) „Wir trinken soviel wir können, den Rest verkaufen wir!“ irgendwo im Hinterstübchen hatten und in dieser gloablisierten Kloake auf eigenwillige, lokale, oberpfälzerische Art zu interpretieren versucht haben. (Mon Dieu! Was sind wir doch für unverbesserliche Menschenfreunde…)

 

Souvlaki-Western.

Sie nannten ihn „Api“. Aber sein wahrer Name war Appendizitis, Rezidivio Appendizitis. Klein von Wuchs aber schwer im Kaliber. Ein Giftzwerg wie aus dem Herold. Er kam aus dem hintersten Winkel der letzten Sackgasse Europas, dem Zypern der inneren Organe.

Keiner sah‘ ihn kommen. Aber wenn er in der glühenden Hitze des Oberbauches das Messer zückte, blieb kein Auge trocken. Konvulsivisch zuckend knickten Leiber beim Sockenanziehen ein und röchelnd Verendende wanden sich auf dem billigen Resopal stinkender Krankenhausflure. Bis in den fernen SüdOsten verfolgte er sein Opfer, bis es stumpf dem Mekong beim fließen zusah und sogar dem Fusel entsagte. Wohin seine Klinge sich verirrte war Irrtum, großer Irrtum. Wo er zustach war Schmerz, viel Schmerz. Wo er sich versteckte floß Geld, viel Geld.

The good Ralph, the bad surgeon and the ugly Api aber würden aufeinandertreffen. Um dem Gemetzel ein Anfang zu setzen, ein für alle Formalien. High nun aber nicht mehr Herr Linhof war nah. Und fast hätte es die Flaschen erwischt. Ja, so waren die Zeiten unter den lauten Magnetfeldern des Krankenkassenmittel-Meeres. Aber sie sollten sich ändern. Schon bald.

t.b.c.

Die erste Gewalt.

Angesichts Kikis Kommentar, der drohenden Wasserkriege und der Situation in Japan erinnerte ich soeben ein Sprichwort aus Laos, das heisst: „Schnell oder langsam – am Ende gewinnt immer das Wasser.“

Ob als Quelle des Lebens, als Dampfkreislauf der Erde, als Tide, Meerespiegel, Erosion, Überschwemmung, Tsunami, Lebensmittel oder Dürre; selbst in seiner Abwesenheit ist das Wasser das mächtigste Element und der größte Freund und Feind des Menschen zugleich.

Und wir begreifen als Spezies einfach nicht, dass wir Wasser genau deshalb als unantastbares, globales Gut betrachten und deshalb sowohl nationalen als auch privatwirtschaftlichen Interessen nachhaltig entziehen müssen.

Vielleicht sollte es so etwas wie den UNO Wasserrat geben. Ohne Vetorechte für einzelne Nationen und mit umfassenden Ausgleichsfonds zur Rückfinanzierung (oder Vermeidung) von Privatisierungen und Infrastrukturprojekten nach dem Ecuadorianischen Modell des Verzichtsausgleiches. Veolia, Suez und insbesondere RWE wünschen wir dann viel Glück in ihren ursprünglichen Kerngeschäften. Da haben sie nämlich bereits bewiesen, dass sie nur „aussaugen und kapitalisieren“ können.

Frikadelle.

Unter diesem Rezept ist der eigentlich interessante, wenngleich wirre Artikel. Aber wenn aus den armen Schichten schon Hackfleisch gemacht wird, hier abschließend und bitte ohne Widerrede: Die beste Frikadelle der Welt.

1 Zwiebel
1 Zehe Knoblauch
4 Stengel Petersilie (mit Stengel)
fein hacken und alles sanft glasig anbraten (wenn ablöschen, dann dafür sorgen, dass keine Restflüssigkeit bleibt), beiseite stellen.

100 G. trockenes Weissbrot (oide Semme oder doppelt getoastetes)
mit Milch einweichen, ggf. auspressen, fein hacken.

400 Gr. gemischtes Hackfleisch,
1 Ei
das Brotgemisch
die Zwiebelmischung
mit
gut Salz,
ordentlich Pfeffer,
nach Gusto Cayenne-Pfeffer (da geht einiges),
3 Prisen Kreuzkümmel (Cumin/unverzichtbar, schmeckt dann aber nicht danach),
1 Esslöffel scharfem Senf
vielleicht auch noch süßem Senf,
möglicherweise gemörserten Fenchelsamen,
vermischen zu einem glatten Teig.
1 Std. stehen lassen (oder auch nicht).

Mit nassen Händen Bällchen oder Fladen formen.
In reichlich Öl (Raps Distel, Olive – auch gemischt)
ausbacken, d.h. mehr als braten, weniger als frittieren.
Öfter vorsichtig wenden (achtung, sehr fluffig) bis beidseitig zu dunkel.

Auf Küchempapier trockenlegen und mit parallel gemachten Pell- oder Bratkartoffeln und Kräuterquark servieren. Dijon-Senf dazu. + gewässerte Radieschen + Cotes du Rhône.

Legt Euch gehackt!

R.

Huevos.

Bin ja mal gespannt, ob wir morgen den Ball flachhalten. Und wieviele Eier wir haben. In der Hose meine ich.

Und ob Paul einer sinvollen Verwendung zugeführt werden kann:

Pulpo scharf

Zutaten:

1 Pulpo
3 Knoblauchzehen gepresst oder gehackt
1 Zwiebel gehackt
1-2 Lorbeerblätter
Olivenöl
Oregano
Petersilie
Paprikapulver (Rosen und scharf)
Chilischoten getrocknet

Zubereitung:

Krake 30 – 45 Minuten in Salzwasser gar kochen, abgießen (von dem Wasser eine Tasse aufheben) und in mundgerechte Stücke zerteilen.
In einem großen Topf in ordentlich Öl den zerkleinerten Knoblauch und die gehackten Zwiebeln leicht anbraten. 1 – 2 zerkleinerte Lorbeerblätter dazu geben. Die gekochte Krake hinzufügen und mit Oregano und Petersilie würzen.
Ca. 1/2 Tasse vom Kochwasser der Krake hinzufügen, mit reichlich Paprika würzen und die gehackten Chilischoten dazugeben. Kurz einkochen lassen und eventuell mit etwas Mehl (oder Maisstärke) abbinden. Wer es nicht so scharf mag läst einfach die Chilischoten weg.
Kann entweder als Hauptgericht oder auch als Tapas gereicht werden.
Ich danke: Carola Dieguez Mena